Archiv Sonderausstellungen 2017


Mark Shaw, courtesy CAMERA WORK
Mark Shaw, courtesy CAMERA WORK
Mark Shaw, courtesy CAMERA WORK
Mark Shaw, courtesy CAMERA WORK

Ellen von Unwerth, courtesy CAMERA WORK
Ellen von Unwerth, courtesy CAMERA WORK

Ellen von Unwerth, courtesy CAMERA WORK
Ellen von Unwerth, courtesy CAMERA WORK

inquiring camera girl

virtuosinnen der fotografie

12. Januar bis 12. März

mit Arbeiten von u. a. Diane Arbus, Margaret Bourke-White,

Nan Goldin, Dorothea Lange, Lee Miller und Ellen von Unwerth

Eine Auswahl von über 60 Arbeiten aus der renommierten Fotosammlung der CAMERA WORK AG gibt Einblick in über ein Jahrhundert Fotografiegeschichte und beleuchtet die Lebenswege und Karrieren von 30 Virtuosinnen der Fotografie.

Bildende Kunst schreibt visuell Geschichte. Der Besuch eines Museums spiegelt dies wider: Kunstwerke geben Einblicke in die Vergangenheit und lassen den Betrachter Rückschlüsse auf diese ziehen. Dabei fällt auf, dass zumeist der »männliche Blick« auf die Jahrhunderte dokumentiert wurde. Arbeiten von Künstlerinnen sind in den musealen Sammlungen sekundär vertreten. Die Erklärungsansätze dafür sind vielfältig.

Betrachtet man im Vergleich zur Malerei das vergleichsweise junge Medium Fotografie, ist eine Veränderung wahrzunehmen: Während es Männern ab den 1850er-Jahren möglich war, an Lehranstalten fotografische Techniken zu erlernen, gab es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts keine Schulen für Fotografie, die auch von Frauen besucht werden konnten.  Dies änderte sich aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts. 1890 eröffnete der Lette-Verein in Berlin die Fotografische Lehranstalt für Frauen und gründete damit die erste Schule in Deutschland, an der Frauen professionellen Unterricht im Bereich Fotografie nehmen konnten. Als weiterer Aspekt kam die rasante Entwicklung der fotografischen Techniken hinzu. Hierdurch wurden die Fotografie und die Arbeit mit einer Kamera dem Massenmarkt zugänglich.

Die amerikanische Fotografin Gertrude Käsebier eröffnete bereits 1897 in New York ihr  eigenes Studio. Zwei Jahre später erzielte ihr Bild »The Manger« den bis dato höchsten für eine Kunstfotografie bezahlten Kaufpreis von 100,– US-Dollar. Käsebier zählt zu den bedeutendsten Vertreterinnen des Pictorialismus, der sich stark an den Ausdrucksformen des Naturalismus, Impressionismus und Symbolismus orientierte und vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg weite Verbreitung fand.

Nach dem Ersten Weltkrieg verlor die pictorialistische Fotografie zugunsten der experimentellen Fotografie, die sich mit den vielfältigen technischen Möglichkeiten des Mediums auseinandersetzte, an Bedeutung. Fotografinnen wie Berenice Abbott oder Diane Arbus bedienten zudem zunehmend unterschiedliche Genres, erschlossen sich neue Perspektiven und hatten großen Anteil an der Herausbildung neuer Sehweisen.

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs kam es vor allem in Deutschland zu einem Einbruch der modernen, experimentellen Fotografie. »Einige Fotografinnen flüchteten sich in die scheinbar unpolitischen Nischen einer idyllischen Heimat- und Landschaftsfotografie«, erläutert Evelyn Schielke in der F.A.Z. vom 23. September 2001. Erst nach 1945 kehrte man zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Realität zurück. Zu dieser Zeit waren es vor allem Fotografinnen, die das Leben in den Trümmerfeldern dokumentierten. Im Bereich der Dokumentar- und Kriegsfotografie bis in die 1950er-Jahre sind vor allem die Amerikanerinnen Dorothea Lange und Margaret Bourke-White zu nennen sowie die ungeschönten Aufnahmen Lee Millers von der Befreiung der Konzentrationslager Buchenwald und Dachau. Sie gehören zu den wichtigsten Fotografien des 20. Jahrhunderts.

Doch auch abseits des Kriegsgeschehens etablierten sich Fotografinnen – sie dokumentierten mit der Kamera das Zeitgeschehen und profilierten sich in immer mehr Bereichen wie der Fotokunst, der Mode- und Theaterfotografie, dem Fotojournalismus und der Industrie- und Werbefotografie.

Bereits ab den 1920er-Jahren hatte sich die Fotografie besonders unter Töchtern aus gutbürgerlichem Haus zu einem begehrten Berufsfeld entwickelt. »Inquiring Camera Girl« – wissbegieriges Kamera-Mädchen – hieß die ab 1951 von der wohlsituiert aufgewachsenen Jacqueline Lee Bouvier geführte Kolumne beim Washington Times-Herald. Die junge Absolventin porträtierte Einwohner Washingtons und stellte ihnen Fragen zum aktuellen politischen Geschehen. Diese Arbeit sowie eine Assistenz bei der Vogue schulten ihr Auge und ihr Verständnis von Inszenierung und der Macht von Bildern. Eine Erkenntnis, die für die Karriere ihres späteren Mannes, John F. Kennedy, von unschätzbarem Wert sein sollte.

In der Nachkriegszeit erlebte die Modefotografie eine Renaissance und wurde weiter entwickelt. Fotografinnen wie Lillian Bassman und Louise Dahl-Wolfe trugen maßgeblich zu einer neuen Interpretation von Mode bei. Dahl-Wolfes Stil prägte spätere Modefotografen wie Irving Penn und Richard Avedon.

Die Fotografie bietet auch immer wieder Autodidakten die Möglichkeit, eine Karriere aufzubauen. So entdeckte das deutsche Modell Ellen von Unwerth ihre Begeisterung für Fotografie am Rande eines Fotoshootings in Kenia und konnte ihre Aufnahmen bald schon in Zeitschriften wie Elle, Vogue und Vanity Fair veröffentlichen. Auch die Französin Bettina Rheims arbeitete zunächst als Fotomodell, bevor sie begann, sich künstlerisch u. a. mit der Thematik Transsexualismus und Transgender auseinanderzusetzen.

Ein Rundgang durch die Sonderausstellung »INQUIRING CAMERA GIRL – VIRTUOSINNEN DER FOTOGRAFIE« bietet nicht nur einen Einblick in die Geschehnisse und Entwicklungen dieses und des letzten Jahrhunderts, er veranschaulicht dem Betrachter auch das Leben und Wirken herausragender Künstlerinnen, deren Bilder unseren Blick auf die Vergangenheit und die Gegenwart mit geprägt haben.



Steve Schapiro, courtesy CAMERA WORK
Steve Schapiro, courtesy CAMERA WORK

© Christoph Niemann
© Christoph Niemann

© Christoph Niemann
© Christoph Niemann

THE CAMPAIGN

Making of a President 1960 & 2016

20. Oktober 2016 bis 8. Januar 2017

 

mit Arbeiten von Christoph Niemann, Steve Schapiro

und der Sammlung CAMERA WORK

 

Die Kennedys führten den ersten modernen Präsidentschaftswahlkampf der Geschichte. Nie zuvor waren die Medien von so großer Relevanz gewesen und das Image des Präsidenten von solch entscheidender Bedeutung. Damit legte die Familie eine Grundlage für alle folgenden Wahlkämpfe der US-Geschichte.


Kaum ein politisches Amt ist vergleichbar mit der US-Präsidentschaft. Wie viele Amtsträger haben bereits Geschichte geschrieben und sind in das kollektive Gedächtnis eingegangen? Wer sind also jene, die sich konstanter medialer Aufmerksamkeit aussetzen und den Lasten des Wahlkampfes und der Amtsausführung standhalten? Zusammengefasst, was braucht es, um US-Präsident zu werden? Die Sonderausstellung »THE CAMPAIGN – Making of a President 1960 & 2016« erörtert dies anhand von sechs signifikanten Faktoren.


Präsidentschaftskandidaten sind Repräsentanten ihrer Zeit. Politische Umstände bestimmen, welche Präsidenten gewählt werden und welche Lösungen in der Bevölkerung Anklang finden. Welche Werte, Hoffnungen und Ideen verkörperte John F. Kennedy 1960 und was symbolisieren Hillary Clinton und Donald Trump heute?


Oft heißt es, finanzielle Mittel sind für die US-Wahl unentbehrlich. Doch welche Rolle spielt Geld tatsächlich? Ist es möglich eine Wahl »zu kaufen«? Hat Milliardär Donald Trump also in der aktuellen Wahl den entscheidenden Vorteil? Welche Rolle spielte Geld im Präsidentschaftswahlkampf John F. Kennedys gespielt hat und welchen Einfluss es heutzutage?


Darüber hinaus ist in jedem Wahlkampf die Unterstützung von Wahlkampfhelfern unerlässlich. Eine gute Kampagne vermag Massen zu mobilisieren. 1960 war John F. Kennedys jüngerer Bruder Robert die treibende Kraft des Wahlkampfes. Auch heutzutage beteiligen sich die Familien von Hillary Clinton und Donald Trump aktiv am politischen Wettstreit. Während 1960 der entschiedene Einsatz der Familie Kennedy noch gereicht haben mag, braucht es 2016 weit mehr Personal, um effektiv Wähler zu erreichen.


Seit jeher wird Politik über Kandidaten vermittelt. Somit ist das Image des Kandidaten ausschlaggebend für den Wahlerfolg, und mediale Inszenierung wesentlicher Bestandteil jeder Kampagne. Seit 1960 ist das Fernsehen – und in der heutigen Zeit das Internet – unabdingbar zur Darstellung dessen, was die Präsidentschaftsanwärter ausmacht und wie sie öffentlich wahrgenommen werden. Damit einher geht selbstverständlich auch die Entwicklung der Medien. 1960 fanden im Rahmen des US-Wahlkampfes die ersten TV-Debatten der amerikanischen Geschichte statt. Sie hatten eine enorme Auswirkung auf die Bevölkerung und beeinflussten schlussendlich das Wahlergebnis. Heute treten die sozialen Medien immer stärker in den Vordergrund und tragen zur rasanten Verbreitung politischer Botschaften bei. 

 

Aber der wichtigste Faktor im Wettstreit um das Amt bleibt natürlich die Wählerschaft. 1960 bewegte sich John F. Kennedy auf einem schmalen Grat; man wollte die schwarze Bevölkerung für sich gewinnen, jedoch zugleich die traditionell konservative Wählerschaft aus den Südstaaten nicht gänzlich verlieren. Gegenwärtig sieht sich Hillary Clinton als Favoritin weiblicher Wähler und  lateinamerikanischer Einwanderer. Donald Trump meint hingegen, die konservative Mittelschicht für sich gewonnen zu haben.


Nach dem ersten Fernsehduell des brisanten Präsidentschaftswahlkampfes von 2016 titelte die FAZ »TV-Duelle: Von Kennedy lernen, heißt siegen lernen.« – die Sonderausstellung zeigt Ihnen, wie!