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Jacqueline Kennedy: Die (Bau-)Herrin über das Weiße Haus

Jacqueline Lee Bouvier Kennedy Onassis (1929-1994) war eine intelligente, gut ausgebildete und stilvolle US-amerikanische Journalistin, Photographin und Verlagslektorin. Sie studierte sowohl in den USA als auch in Frankreich Geschichte, Literatur, Kunst und Französisch. Sie ist aber vor allem durch die Ehe mit dem 35. US-Präsidenten John F. Kennedy bekannt. Als sie mit ihren 31 Jahren ins Weiße Haus einzog, wurde sie zu einer der jüngsten First Ladies aller Zeiten.

Da sie sehr an den Bildenden Künsten interessiert war, verspürte sie mit dem Einzug in das Weiße Haus den Wunsch, diesen repräsentativen Ort gemäß seiner Aufgaben und hohen Stellung zu gestalten. Jackie informierte sich sehr umfassend über das Gebäude, indem sie sich Bücher und Artikel u. a. aus der Library of Congress besorgte. Ihre Perspektive auf die Dinge wurde zunehmend die einer Historikerin.

Ein wichtiger Aspekt bei der Renovierung und Neugestaltung sollte die Einhaltung des ursprünglichen Charakters des Weißen Hauses sein. Außerdem wünschte sich Jackie, dass man sich nicht auf einen Stil oder eine Epoche festlegt und die verschiedenen Administrationen und Charakterzüge der vorigen Präsidentschaftsperioden ebenso berücksichtigt. Eine große Rolle – als ein wichtiger symbolischer und funktioneller Teil des Hauses – sollte die Bibliothek spielen.

Jackie Kennedy beauftragte einen Ausschuss mit der Auswahl der 1500 wichtigsten Werke der amerikanischen Literatur und Geschichte, um die Präsidentensammlung des Weißen Hauses seiner Stellung gemäß würdig einzurichten. Sie beauftragte ebenfalls eine Neugestaltung und Neubepflanzung des White House Rose Garden und des East Garden.

Sie widmete sich der Renovierung, Restaurierung und dem Umbau in solchem Maße, dass letztendlich ein lebendiges Museum der Geschichte daraus entstehen sollte. Sie wählte die Kunstwerke und Möbel, schaffte weitere Gegenstände an, die sich einst im Weißen Haus befunden hatten oder einem ehemaligen Präsidenten gehörten. Unterstützung erhielt sie von Kunstexperten und Regierungsbeauftragten. Für dieses Projekt bezauberte die First Lady alle um sich herum, auch die Kunstsammler, die teilweise bereit waren, Kunstgegenstände für dieses Ziel zu spenden. Auf diese Weise fanden einige wahre Schätze ihren festen Platz im Weißen Haus. Im Oval Office wurde ein Schreibtisch installiert, der aus dem Bauholz des britischen Segelschiffes HMS Resolute hergestellt wurde, das 1878 ursprünglich Queen Victoria dem Präsidenten Rutherford B. Hayes geschenkt hatte. Das Schlafzimmer von John F. Kennedy zierte das damals gestiftete Bild Avenue in the Rain (1917) des impressionistischen Malers Childe Hassam, das später sein Platz im President’s Dining Room fand.

Jacqueline Kennedy regte den Gedanken für die Gründung des „Committee for the Preservation of the White House an“, um dem Vorwurf der Untreue der öffentlichen Gelder zu entkommen und unabhängiger arbeiten zu können. Im Jahr 1961 wurde Lorraine Waxman Pearce die erste Kuratorin des Weißen Hauses, deren Aufgabe die stetige Beschäftigung mit der immerfort wachsenden Sammlung sein sollte. Im Herbst des gleichen Jahres ernannte der Kongress das Weiße Haus zu einem Museum, was alle Kunstgegenstände ohne weiteres zu unverkäuflichem Museumsgut machte. Die Räume durften von nun an nicht mehr willkürlich umgestaltet werden.

Das Ergebnis der Bemühungen der First Lady bewunderten achtzig Millionen amerikanischer Zuschauer am 14. Februar 1962 live im Fernsehen. Jackie Kennedy erntete für ihre Leistung nicht nur die Anerkennung in Kunstkreisen, sondern wurde auch mit einem Emmy ausgezeichnet. Die Renovierungsarbeiten endeten abrupt mit dem Tod des Präsidenten, wobei sie von den nachfolgenden First Ladies fortgeführt wurden.

John F. Kennedy und Jackie strahlten Jugendlichkeit und Frische aus, die sich auch auf das Weiße Haus übertrug. Es sollte ein Ort für die amerikanische Geschichte, Kultur und Errungenschaften sein. Die First Lady veranstaltete dort Banquettes, Dinner und Events, zu denen sie Wissenschaftler, Dichter, Schriftsteller, Musiker und Künstler an einen Tisch mit Diplomaten, Politikern und Staatsmännern brachte. Sie organisierte Ballett-Vorstellungen, Liederabende und Shakespeare-Lesungen.

Obwohl Jackie Kennedy im Weißen Haus nicht immer glücklich war und ihre Aufgabe als First Lady ihr hin und wieder zur Last fiel, übte sie ihre Rolle mit Anmut, Stil und Eleganz aus. Alle diese Eigenschaften spiegeln sich in dem repräsentativsten aller Häuser Amerikas wider.

JK

Die Lieblingsfilme von John F. Kennedy

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einer rasanten Entwicklung im Bereich des Fernsehens. Der reguläre Fernsehbetrieb startete auf NBC im Jahr 1947, auf CBS und ABC ein Jahr später. Während im Jahr 1946 nur 0,5% der amerikanischen Haushalte einen Fernsehapparat besaßen, wurden es im Jahr 1954 bereits 55,7% und im Jahr 1962 bereits 90%. Seit dem Jahr 1953 konnten die Amerikaner ihre Lieblingsserien auch in Farbe genießen. Die Popularität des neuen Mediums stieg rasant an.

John F. Kennedy gehörte zu der Generation, die diese Art der Unterhaltung nach den Jahren der Kriegswirrungen sichtlich genossen hat. Auch der 35. Präsident der Vereinigten Staaten verfügte über einen individuellen Geschmack in Bezug auf die Erzeugnisse der boomenden Filmindustrie. Die Auswahl der Spielfilme, die ihn interessierten und von ihm als wertvoll betrachtet wurden, besteht aus solch unterschiedlichen Genres wie Western, Kriegsfilmen und romantischen Komödien. In der Wahl seiner Lieblingslektüre bewies JFK bereits sein großes Interesse an historischen Themen. Dieses wurde auch in der Auswahl der Filme bestätigt.

The Longest Day (1962) ist ein Kriegsfilm, der die Ereignisse des sogenannten D-Day, der Landung der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944, zeigt. Schauspieler wie Robert Mitchum, John Wayne, Sean Connery, Curd Jürgens und Henry Fonda versuchten bildhaft und glaubwürdig, die Ereignisse der wohl bekanntesten Landeoperation der Weltgeschichte darzustellen. Die Handlung des Films Sands of Iwo Jima (1949) findet ebenfalls während des Zweiten Weltkrieges statt. Der Film zeigt eine Gruppe amerikanischer Marinesoldaten von den Anfängen ihrer Ausbildung bis zu der Schlacht um Iwo Jima. Ein weiterer Film, der eine Verbindung zur Geschichte aufweist, ist Spartacus (1960). Er erzählt das Leben des gleichnamigen römischen Sklaven, Gladiatoren und Anführers eines Sklavenaufstandes im Römischen Reich der Antike.

Einen gewissen Gegensatz dazu bildet der in der amerikanischen Wildnis angesiedelte, mit Banküberfällen, Liebschaften, Verrat und Schießereien gefüllte Western One-Eyed Jacks (1961). Die Vorliebe des Präsidenten für dieses Genre spiegelt sich auch am Beispiel des Filmes aus dem Jahr 1955 unter dem Titel Bad Day at Black Rock mit Spencer Tracy in der Hauptrolle wider. Der Regisseur verband in diesem Thriller Elemente des Western und des Film Noir. Dieser Film ist jedoch nicht die einzige Ausnahme von geschichtsbezogenen Beiträgen, die sich John F. Kennedy gerne anschaute. So wie man in den Lieblingslektüren des Präsidenten die Sammlung morgenländischer Erzählungen Tausendundeine Nacht findet, so trifft man auch unter den Filmen auf eine gewisse Vorliebe für das Originelle, Ferne, Orientalische und Fremde. Der Film The World of Apu (1959) spielt in Kalkutta, der Hauptstadt des Bundesstaates Westbengalen in Indien, und erzählt die Lebensgeschichte des armen Jungen Apu Roy, die voll von unerwarteten Wendungen, unerfüllten Träumen, Liebe, Verlust, Trauer und Glück ist.

Weitere Ausnahmen von Kriegsdramen bilden Roman Holiday (1953) und All in a Night’s Work (1961). Beide Filme sind romantische Komödien. Sie handeln von Geheimnissen, witzigen Missverständnissen, Beziehungsproblemen, Gefühlen und vor allem aber von der einzigen und wahren Liebe.

John F. Kennedy hatte einen sehr differenzierten Geschmack im Bezug auf Filme. Obwohl sein größtes Interesse der Geschichte galt, waren ihm Gefühle und ein guter Witz auch recht wichtig. Er war für viele Themen offen und konnte sich für unterschiedliche Inhalte begeistern.

 J.K.

Kennedys Besuch in Berlin

Im Rahmen seiner Europareise machte John F. Kennedy im Sommer 1963 in Deutschland Halt. Zunächst standen Köln, Bonn, Wiesbaden und Frankfurt auf dem Plan. An allen Stationen schlug Kennedy eine große Sympathie entgegen. Höhepunkt der viertägigen Deutschlandreise stellte jedoch Kennedys gerade einmal achtstündiger Aufenthalt in West-Berlin am 26. Juni 1963 dar.

Das geteilte Berlin stand wie kein anderer Ort für die damalige Spaltung der nördlichen Hemisphäre in eine kommunistische und eine kapitalistische Hälfte. Die eher zurückhaltende Reaktion der US-Regierung auf die Errichtung der Mauer verunsicherte die Bevölkerung West-Berlins und man bangte um den Schutz und die Solidarität der Amerikaner.

Kaum ein Staatsbesuch hat die Bundesrepublik seit ihrem Bestehen ähnlich in Atem gehalten. John F. Kennedy war der erste amerikanische Präsident, der die geteilte Stadt besuchte und wurde von über einer Million Menschen begeistert empfangen. Berliner Schulen ließen den Unterricht ausfallen und viele Arbeitnehmer durften für einige Stunden ihre Arbeit niederlegen. Hunderttausende Menschen säumten die Straßen, als Kennedy in Begleitung von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Berlins regierendem Bürgermeister Willy Brandt durch den Westteil Berlins fuhr. Vor dem Schöneberger Rathaus wurde der amerikanische Hoffnungsträger mit “Kennedy-Kennedy”- Sprechchören empfangen.  

Kennedy, der durch den Anblick des „antifaschistischen Schutzwalls“ emotional aufgewühlt war, änderte spontan, und sehr zum Bedauern seiner politischen Berater, seine Rede vor dem Schöneberger Rathaus. Er rechnete nun mit dem Kommunismus ab und sprach: „Es gibt Leute, die sagen, dem Kommunismus gehöre die Zukunft. Sie sollen nach Berlin kommen. Und es gibt wieder andere in Europa und in anderen Teilen der Welt, die behaupten, man könne mit den Kommunisten zusammenarbeiten. Auch sie sollen nach Berlin kommen.“

Kennedy bezeichnete die Mauer als die „abscheulichste und die stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems.“

Er bekräftigte die amerikanische Solidarität sowie die Schutzgarantie der USA für West-Berlin. In seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus fand Kennedy dann auch die legendären Worte: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner.” Die Berliner standen stellvertretend für alle freiheitsliebenden Menschen und hielten tapfer im Kampf gegen den Kommunismus ihre Stellung.

Die Wirkung dieses Bekenntnisses des Präsidenten war überwältigend. Die West-Berliner feierten den amerikanischen Präsidenten als Garanten der Freiheit. In einer Rede an der Freien Universität am späteren Nachmittag fand Kennedy wieder versöhnlichere Worte, ganz im Sinne der von ihm eigentlich vertretenen Entspannungspolitik und betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit beider Großmächte. Die Reaktionen der DDR auf den Berlinbesuch Kennedys äußerten sich u.a. in einer gezielten Medienkampagne der SED und gipfelten in dem Gegenbesuch von Nikita Chruschtschow am 28.Juni 1963 in Ost-Berlin.

John F. Kennedys Besuch in West-Berlin hat sich bis heute im kollektiven Gedächtnis der Deutschen verankert und ist in seiner historischen Bedeutung nicht zu unterschätzen. Willy Brandt sprach von einem „großen Tag in der Geschichte unserer Stadt”. Egon Bahr, der damalige Pressesprecher Willy Brandts, drückte die Bedeutung dieses Tages folgendermaßen aus: „Von diesem Tag an war Berlin unantastbar und sicher, solange seine Teilung auch dauern mochte.”

John F. Kennedy, tief berührt von dem Empfang in West-Berlin formulierte es so:„Wir werden niemals wieder einen solchen Tag wie heute erleben.”

A.S.

Die Kennedys leben weiter… (Teil 2)

Die Tausend Tage der Präsidentschaft von John F. Kennedy und ihr tragisches Ende ließen niemanden unberührt – auch nicht die empfindsamen und zarten Seelen der Künstler. Robert Rauschenberg verarbeitete seine Erinnerungen und die spätere seelische Erschütterung gleich in mehreren Bildern. Im Mittelpunkt des collageartigen Bildes mit dem Titel Retroactive I (1964) steht die gestikulierende und eine Ansprache haltende Gestalt des 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten, der von verschiedenfarbigen Bildern, die ursprünglich aus Magazinen und Zeitschriften stammen, umgeben ist. In Buffalo II (1964) greift Rauschenberg auf fast die gleichen Photos zurück, die er aber unter Verwendung unterschiedlicher Farben anders zusammensetzt. Das Werk 2K/To Kennedy (1999) weist bereits auf den Bezug zu John F. Kennedy hin, der jedoch nicht explizit erkennbar ist. Das Bild Signs (1970) dagegen zeigt unmissverständlich den 35. Präsidenten. Er befindet sich in Begleitung von Individuen seiner Generation wie Janis Joplin, Martin Luther King Jr. und seinem eigenen Bruder Bobby. Sie alle sind von den Photos solcher wichtigen Ereignisse der 1960er Jahre wie der Mondlandung und des Vietnamkriegs umgeben.

Ähnlich wie Rauschenberg benutzte James Rosenquist die Symbole der Konsumgesellschaft und des Wohlstandes, um sie mit den Abbildungen von John F. Kennedy zu einer einzigartigen Collage zusammenzubringen. In President Elect aus dem Jahr 1964 teilt sich der Präsident die Leinwand mit einem halben gelben Chevrolet und weiblichen Händen, die ein Stück Kuchen halten.

Auch Larry Rivers verbindet in seiner Collage The Friendship of America and France (Kennedy and de Gaulle) (1961-62) die kommerziellen Symbole mit politischen Themen. Die insgesamt zwölf Teilbilder, die die amerikanischen Zigarettenverpackungen von Herstellern wie Marlboro, Lucky Strike und Camel sowie die der französischen Marke Galuoises darstellen, bilden ein Mosaik, das von zwei Staatsoberhäuptern, nämlich de Gaulle und Kennedy, vervollständigt wird. Das Bild erinnert an das historische Treffen zwischen den beiden Präsidenten im Jahr 1961 und soll auf die Verbindung zwischen den beiden Nationen hinweisen.

Norman Rockwell griff auch einen Aspekt der Politik von John F. Kennedy auf, den er auf dem Bild The Peace Corps (1966) verbildlichte. Das hell erleuchtete Profil des Präsidenten, dem Initiator des Peace Corps, ist als erstes zu sehen, wobei sich die Gesichter der Volontäre sowie seines Schwagers Sargent Shriver neben ihm, ein wenig zurückgezogen, befinden. Zu dem Oeuvre dieses Malers gehört auch ein Porträt des Präsidenten und ein Wahlplakat mit dem Titel A Time of Greatness.

James Wyeth portraitierte John F. Kennedy in seinem Ölgemälde aus dem Jahr 1967 auf eine verhältnismäßig traditionelle Art und Weise. Der Maler zeigt den großen Staatsmann in einer nachdenklichen Pose, die ihn dadurch sehr menschlich erscheinen lässt. Neben den Gemälden gibt es auch interessante Skulpturen, die ihm gewidmet wurden, wie zum Beispiel die aus Wachs modellierte und in einem Sarg liegende Figur John F. Kennedy des italienischen Künstlers Maurizio Cattelan, die Bronzebüste von Robert Berks aus dem Jahr 1963 und die überlebensgroße Figuren The Kennedys von Marisol Escobar.

Der Ruhm der Kennedy Familie, vor allem jedoch die Handlungen des Präsidenten, gingen über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. Pablo Picasso äußerte sich in der Serie Rape of the Sabine Women (1963) zur amerikanischen Außenpolitik und ausdrücklich zur Kubakrise. Das Bild zeigt Frauen und Kinder auf dem Boden liegend, zertrampelt von den Hufen zweier Pferde. Die mächtigen Reiter auf den Rücken der Gäule sind gerade dabei, einen brutalen und verbitterten Kampf auf Kosten der Unschuldigen untereinander auszutragen.

Die Familie Kennedy, besonders der gutaussehende, charismatische, junge John Fitzgerald, wurde zum Hauptaugenmerk sowohl der Medien als auch der Künstler. Sie schufen Gemälde, Siebdrucke, Plakate, Skizzen, Zeichnungen, Deckblätter, Skulpturen und andere Formen des ästhetischen Ausdrucks.

JK

Die Kennedys leben weiter… (Teil 1)

Die Kunst überdauert Krisen, Kriege, wechselnde Regierungen und Regime, sie überdauert das Leben und den Tod. Das gleiche Schicksal betrifft ihre Inhalte. Einmal einen Platz in einem Kunstwerk innehabend, wird einem das ewige Leben zuteil. So erging es auch einigen Mitgliedern der Familie Kennedy. Die meisten von ihnen weilen nicht mehr unter uns, leben aber in unzähligen Kunstwerken weiter. Es wurden schier undendlich viele Photos gemacht, Leinwände bemalt und Skulpturen angefertigt, deren Inhalte sich auf die bis dahin wohl medienwirksamste Herrscherfamilie beziehen.

Künstler wie Hans Hoffmann, Robert Motherwell, Pablo Picasso sowie Pop-Art-Künstler wie Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg wählten die Familie als Thema für einige ihrer Werke. Die Bandbreite reichte von den in den 1960ern langsam in den Hintergrund abwandernden Abstrakten Expressionisten über die aufkommende Pop-Art bis hin zu unabhängigen Malern.

Der Abstrakte Expressionismus wurde nach und nach am Ende der 1950er und Anfang den 1960er Jahre in den Hintergrund gedrängt und durch neue Kunstrichtungen ersetzt. Nichtsdestotrotz waren die alteingesessenen Maler immer noch aktiv und widmeten sich zum Teil auch den aktuellen Geschehnissen und Entwicklungen.

Die Malerin der Generation des Abstrakten Expressionismus – Elaine de Kooning – schuf eine Bildserie über dem 35. Präsidenten, die ursprünglich nur als ein einziges Portrait für die Harry S. Truman Library geplant war. Da Kennedy keine Zeit zum Posieren hatte, beobachtete ihn die Künstlerin während seiner Arbeit. Auf diese Weise entstanden einige expressionistische Zeugnisse dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit, die besonders auf dem Bild John F. Kennedy (1963), mit seinen gewaltigen Ausmaßen, besonders deutlich wird.

Ihrem Ehemann, Willem de Kooning sagt man ebenfalls die Hingabe zu John F. Kennedy als Motiv nach. Ein Zeugnis dessen ist das Werk Reclining Man (John F. Kennedy) von 1963. Der Zusatz des Titels in Klammern wurde erst viele Jahre später nach der Veröffentlichung hinzufügt, da man hier das Gesicht des ermordeten Präsidenten zu erkennen glaubt. Da de Kooning, wie alle Amerikaner, die Ereignisse des Novembers 1963 inbrünstig verfolgte und seine Frau Elaine bereits seit einem Jahr an den Porträts des Präsidenten gearbeitet hatte, liegt die Vermutung nahe, dass dieses Werk John F. Kennedy darstellt. Diese Mutmaßung ist jedoch bis heute auch in der Kunstwissenschaft umstritten.

Robert Motherwell, ein weiterer Abstrakter Expressionist, schuf ein großes Wandgemälde für das John F. Kennedy Federal Building in Boston. Das Bild trägt den Titel New England Elegy (1965) aber es wird vermutet, dass es eigentlich The Tragedy of President Kennedy’s Death heißen sollte. In dem abstrakten Werk glaubt man auf einmal oben in einem schwarzen Bereich die Umrisse einer Waffe zu sehen. In einer eckigen Form dagegen sollen sich das Profil des Kopfes des Präsidenten und in den Linien herum die Projektilflugbahnen oder Blutspritzer verbergen. Motherwell selbst negierte die „John F. Kennedy-Theorie“ und gab an, dass es sich hier um einen allgemeinen Ausdruck der Trauer nach einem Todesfall handele.

In dem Werk To JFK: The Thousand Roots Did Die With Thee (1963) von Hans Hoffman, sieht man die auf die Leinwand gespritzte und getröpfelte schwarze Farbe, die wie eine Blutlache aussieht. Die allgemeine Stimmung, die aus dem Bild hervortritt, ist die des Schwermutes und der Bedrohung. Hoffman setzte hier all sein Können ein, um die unbegreiflichen Gefühle, die eine Tragödie immer begleiten, auszudrücken.

Die Künstler des Abstrakten Expressionismus zeigten also ein relativ großes Interesse an dem Leben und dem Tod ihres Präsidenten. Die Werke, die die Ikone einer ganzen Generation zeigen, sind mal mehr mal weniger abstrakt, vermitteln aber eindringlich eine ganze Bandbreite der Gefühle und Betrachtungsweisen, die diesen großen Mann auf seinem politischen Werdegang begleitet haben.

 

JK

Der zweite Teil folgt am 15. Mai 2010.

Book review: “The Kennedys - End of a Dynasty”

LIFE “The Kennedys - End of a Dynasty”, edited by Robert Sullivan. New York, 2009.

This timely book documents the life and times of America’s de facto royal family. Published just months after the death of Teddy Kennedy, the last patriarch of the Kennedy dynasty, it is a fitting tribute to the family that was a fixture on the American political scene for so many years and provides the reader with a glimpse into the personal as well as political lives they led.

The book is divided into two main chapters; the first gives the reader an overview of the family history, from their humble beginnings as part of the great wave of Irish immigrants who streamed to America after the potato famine, through to their meteoritic rise to prominence in American business and political life. The chapter also includes short profiles of each of John F. Kennedy’s siblings as well as of JFK himself, a must-have navigation feature when dealing with such a large family! The family tree at the beginning of the book is another such handy tool.

The second chapter is much more picture-laden, with beautiful, expertly-shot photographs of some of the key events in Kennedy history, many of which first appeared years ago in the pages of LIFE. Iconic photos, such as the one of Caroline and John-John playing in the Oval Office or that of John and Bobby heads bowed in concentration as they discuss campaign tactics, help to create a more personal portrait of the family. However, LIFE does not skirt away from mentioning the more painful memories in the family history, be it the assassinations of John and Bobby or the infamous Chappaquiddick incident, which arguably prevented Teddy from taking up the mantle from his fallen brothers and lead America as president.

Nevertheless, amidst all the talk of Teddy’s death last August signifying the death knell of the Kennedy clan’s political presence, Life proposes that although the brothers have gone, their era was “perhaps…the first Kennedy dynasty. Only tomorrow knows.”

NL

Die Kennedys in den Werken von Andy Warhol

Die Präsidentschaft von John F. Kennedy fiel in die Zeit der Dominanz der Kunstrichtung „Pop Art“. In den USA etablierte sie sich Ende der 1950er Jahre und blühte in der darauffolgenden Dekade vollkommen auf.

Die Pop Art löste sich von den Vorgaben und Ansätzen des Abstrakten Expressionismus und griff die von den Vorgängern verpönten Symbole der Massenkultur und des Kommerzes auf.  Die Themen sowie die Techniken, die sie verwendeten, waren mit der Werbung oder den Comic Books, das heißt, den Schöpfungen der populären Kultur, eng verbunden. Pop Art schreckte auch nicht vor Kitsch zurück, vor dem der amerikanische Kunstkritiker Clement Greenberg noch wenige Jahre zuvor in seinem Aufsatz Avant-Garde and Kitsch (1939) eindringlich warnte. Die Vertreter der Pop Art scheuten nicht ihre Schritte gen Banalen und Alltäglichen zu lenken, um die Grenze zwischen Elitärem und Gewöhnlichem zu Fall zu bringen. Für die Herstellung ihrer Werke wandten sie die Techniken der modernen Industriegesellschaft an, wie zum Beispiel der Reproduktion oder des Siebdruckverfahrens, um durch die Vervielfältigung die Zugänglichkeit ihrer Werke für ein größeres Publikum zu ermöglichen.

Ein Künstler, der für alle diese Eigenschaften einsteht, ist der extravagante Maler, Filmemacher, Musikproduzent, Schriftsteller und Exzentriker der amerikanischen Boheme – Andy Warhol. Die Inhalte seiner Werke bezogen sich, genauso wie bei den anderen Künstlern der Pop Art, auf die wahren Zeugnisse der populären Kultur wie Werbeplakate, Verpackungen, Fernseh- und Kinobilder sowie Comic Books. Eine der einzigartigen Entwicklungen der 1960er Jahre war das Aufkommen von Celebrities, die mit der Zeit zu einem besonders wichtigen und häufigen Motiv in der Kunst von Andy Warhol avancierten. Persönlichkeiten wie Marilyn Monroe, Elvis Presley, Mike Jagger, Grace Kelly als auch die Familie Kennedy nahmen einen besonderen Platz in seinem Schaffen ein. Andy Warhol widmete dem Traumpaar aus dem Weißen Haus sogleich mehrere Werke.

Das Bild Jackie (1964) ist ein Portrait der First Lady in der besten und bekanntesten Manier des Künstlers. Es ist ein für ihn typischer Siebdruck einer Berühmtheit mit einem sehr bunten, in diesem Fall roten Hintergrund und blauen Umrissen. Ein großes Porträt der wunderhübschen, lächelnden Jacqueline Kennedy, der öffentlichen Persönlichkeit und Identifikationsfigur, schaut aus dem Bild in die Ferne. Weitere Bilder, die unter Titeln wie Jacqueline Kennedy I (Jackie I) oder Jacqueline Kennedy II (beide 1966) veröffentlicht wurden, zeigen die wohl berühmteste Ehefrau eines Staatsoberhauptes der 1960er Jahre in verschiedenen Farben, Situationen, Lagen und Stimmungen.

In Sixteen Jackies (1964) zeigt Warhol Jacqueline Kennedy, während sie den repräsentativen Pflichten als First Lady nachgeht. Der Künstler zeigt sie in verschiedenen Momenten ihres öffentlichen Lebens wie bei amtlichen Besuchen oder während der Trauerzeit, das heißt sowohl in freudigen als auch in klagenden Augenblicken. Diesmal bezog sich Warhol auf acht aus der Presse nach der Ermordung ihres Gatten erschienene Bilder und setzte sie zu einem sich wiederholenden zufälligen Mosaik in Weiß, Schwarz, Blau und Gold zusammen. Fünf der sechszehn Bilder zeigen die wie immer modebewusst gekleidete und lächelnde Jackie, wobei man hinter ihr einen Blick auf den Präsidenten erhaschen kann. Drei weitere Bilder zeigen einen Uniformierten, der die Witwe während John F. Kennedys Begräbnis auf Arlington begleitet hatte. Andere drei Teile zeigen den in Kummer gehüllten gesenkten Kopf der First Lady im Profil. Weitere Ausschnitte offenbaren Porträts von Jackie, entweder bei bester Laune oder in tiefer Trauer. Es ist nicht das einzige Bild, das aus sechszehn individuellen Bildern besteht, so existieren noch weitere sechs davon. Warhol fertigte eine ganze Serie, in der Jackie Kennedy die Hauptrolle spielt, dessen umfangreichstes Beispiel Thirty-Five Jackies (1965) ist.

Flash-November 22 (1963) ist ein Portfolio von Andy Warhol, das aus vierzehn farbigen Siebdrucken zusammengesetzt ist. Die Bilder entstanden auf der Basis der Attentatphotos, die in der Presse und im Fernsehen gezeigt wurden. Der Künstler widmete sich in seinen Werken den vier Tagen, die zwischen der Ermordung und der Beerdingung des Staatsoberhauptes lagen. Zum Bestand dieser Serie gehören unter anderem Bilder von Jackie und John F. Kennedy, vom Präsidentensiegel, vom mutmaßlichen Attentäter Lee Harvey Oswald, seiner angeblich bei einem Versandhaus bestellten Waffe sowie von dem Haus, aus dessen Fenster die tödlichen Schüsse abgegeben wurden. Die Bilder wurden zu einer eindringlichen Studie des nationalen Traumas, das sich über die Grenzen ausgebreitet hat sowie der allgegenwärtigen emotionalen Anwesenheit der Medien.

Im Jahr 1980 fertigte Andy Warhol ein Porträt eines weiteren Mitglieds der Kennedy-Familie, nämlich Edward „Ted“ Kennedy, an. Das Bild zeigt den im August 2009 verstorbenen Politiker, der im Entstehungsjahr des Bildes als Präsidentschaftskandidat aufgestellt wurde. Edward Kennedy ist ein Siebdruck, in dem Warhol die Farben der amerikanischen Flagge und Diamantenstaub benutzte, um den Glanz der Persönlichkeit zu unterstreichen.

Das Präsidentenpaar wurde zum Vorzeigeehepaar, zur Vorbildfamilie und letztlich zu Fernsehstars und zur Stilikone erhoben. Sie wurden verehrt und geliebt als sie lebten und beweint und bedauert nach ihrem Tod. Solche großen Gefühle wurden bis dahin keiner Politikerfamilie zuteil. Ihre Medienpräsenz sowie die positiven Gefühle, die sie begleiteten, verhalfen ihnen zu enormen Interesse seitens der Kunstwelt. Nicht nur Andy Warhol, sondern auch viele andere Maler, Bildhauer und Photographen stellten die Kennedy-Familie in ihren Werken dar. 

Notiz: Das Museum THE KENNEDYS stellt ein Screenprint von Andy Warhols Jacqueline Kennedy III (1966) aus.

JK

Martin Luther King und John F. Kennedy

Dr. Martin Luther King Jr. zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Der promovierte Theologe war einer der charismatischsten Führer der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Seinen gewaltlosen Kampf gegen die Diskriminierung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten führte er inspiriert von den Gedanken und Methoden Mahatma Gandhis. Er avancierte zur Symbolfigur für soziale Gleichberechtigung und den Widerstand gegen jede Art rassistischer Diskriminierung. Er propagierte den zivilen Ungehorsam als Mittel gegen die politische Praxis der Rassentrennung und nahm selbst an entsprechenden Aktionen teil. Martin Luther King Jr. wurde über dreißig Mal inhaftiert.

Als King im Oktober 1960 verhaftet wurde, schaltete sich Präsidentschaftskandidat John F. Kennedy ein, zum Teil aus politischer Rücksichtsnahme, zum Teil aus Mitgefühl und versprach Kings Frau in einem Telefonat alle ihm mögliche Hilfe. Bobby Kennedy intervenierte daraufhin beim Gouverneur von Georgia und Martin Luther King wurde freigelassen. Kings Vision einer freien und gleichen Gesellschaft formulierte er 1963 im Rahmen des „Marsch auf Washington“ in seiner berühmt gewordenen „I have a dream”-Rede vor 250.000 Menschen. Durch Kings Einsatz und Wirken entwickelte sich die Bürgerrechtsbewegung von einer national begrenzten Bewegung mit dem Ziel der Gleichberechtigung für die Schwarzen in den USA zur Vision einer weltweiten „beloved community“.

Die Bürgerrechtsbewegung in den USA wurde zu einer sozialen Bewegung, die letztlich die gesetzliche Aufhebung der Rassentrennung und die Durchsetzung des uneingeschränkten Wahlrechts für die schwarze Bevölkerung der US-Südstaaten erkämpfte. Harris Wofford, Special Assistant to the President for Civil Rights, beschreibt das Verhältnis zwischen King und Kennedy als angespannt: Unlike the President’s relations with Whitney Young and Roy Wilkins, which were easy and sophisticated, there was always a strain in his dealing with King, who came on with a moral tone that was not Kennedy’s style and made him uncomfortable.” King begrüßte die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten, stellte jedoch ernüchtert mit dessen voranschreitender Amtszeit fest: In the election when I gave my testimony to Kennedy, my impression then was that he had the intelligence and the skill and the moral fervor to give the leadership we have been waiting for and do what no other President has ever done. Now I am convinced that he has the understanding and the political skill but so far I am afraid that the moral passion is missing!”

King zeigte sich anerkennend für das, was Kennedy tat bzw. bereits getan hatte, forderte aber von ihm, dass dieser eine moralische Führungsposition in der Bürgerrechtsfrage einnehme. Kennedy scheute dies aus Angst, die Unterstützung der konservativen Demokraten in den Südstaaten für seine innenpolitischen Reformvorhaben zu verlieren. Als die Gewalt jedoch eskalierte, hielt Kennedy am 11. Juni 1963 eine Fernsehansprache, in der er an das amerikanische Volk appellierte und mit seinen berühmten Worten eindeutig Farbe bekannte: This Nation, for all its hopes and all its boasts, will not be fully free until all its citizens are free.“ Kurz darauf legte Kennedy dem Kongress ein Bürgerrechtsgesetz vor. Martin Luther King wurde am 4. April 1968, heute vor 42 Jahren, in Memphis erschossen. Für die Tat verurteilt wurde James Earl Ray, die genauen Umstände der Tat bleiben jedoch bis heute ungeklärt.

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„American Legacy: The Story of John and Caroline Kennedy”, C. David Heymann, 2007

You know you have to take a book with a (severe) pinch of salt when two pages in, an eavesdropping passenger onboard the same aircraft as Caroline and Ted Kennedy is used as a credible source. C. David Heymann’s previous publications, such as the salaciously titled “Bobby and Jackie: A Love Story”, have already come under fire for being little more than allegation-drenched, factually sparse works.

While Caroline and John were only five and two years old respectively when their father was assassinated, the media’s fascination with these two siblings did not let up once they had left the White House. This book aims to provide the reader with a deeper insight into the personalities and lives of President Kennedy’s offspring. The first few chapters are dedicated to the childhood and adolescence of Caroline and John, from their idyllic early years in the White House with their parents and pony Macaroni, to the dark months following their father’s death, through to the obligatory awkward teenage phase.

The bulk of the dual biography, however, deals with their adult years. This is when the rumours really start to flow thick and fast – Carolyn’s alleged pregnancy at the time of the fatal airplane crash, JFK Junior’s supposed affairs as well as the allegation that he was under the influence of alcohol when his plane went down. Their relationship with their mother is portrayed as a loving, though at times difficult, one, and the siblings are depicted as polar opposites; Caroline private and guarded, John outgoing and thrill-seeking. The sensationalism of this book makes it an entertaining read that proves very easy to digest. Its after-effect however, is akin to the feeling one gets after reading Hello magazine – the gloss that lures you in leaves you with a slightly grubby sense of dissatisfaction once you manage to finally tear yourself away from its pages.

nl

 

Gründung des Peace Corps vor 49 Jahren

Am 14. Oktober 1960 hielt Senator John F. Kennedy im Rahmen seines Wahlkampfes eine Rede vor Studenten der Michigan Universität in Ann Arbor. In dieser Rede rief er die Studenten auf, mit ihrem Fachwissen und Know-how in Entwicklungsländern Hilfe zu leisten. Ganz im Sinne der „New Frontier“ sollten die Studenten sich für ihr Land engagieren, „neue Grenzen“  überschreiten und amerikanische Werte vertreten.  Damit gab Kennedy den Anstoß zur Verwirklichung des Vorläufers der Entwicklungshilfe,  „Peace Corps“ genannt.

Am 1. März 1961, genau vor 49 Jahren, wurde auf Anweisung John F. Kennedys das Peace Corps als eine unabhängige Behörde innerhalb des amerikanischen Außenministeriums gegründet. Seitdem haben mehr als 200.000 Freiwillige in 139 Ländern gedient. JFKs Schwager Sargent Shriver, Vizepräsidentschaftskandidat 1972 sowie ehemaliger Botschafter in Frankreich, war die treibende Kraft in der Errichtung des Peace Corps und zugleich der erste Direktor der Behörde.

Die Arbeitsgebiete des Peace Corps reichen von Bildungsarbeit und Aufklärung in Gesundheitsfragen (AIDS, Trinkwassernutzung etc.) bis hin zur technischen Schulung  der Bevölkerung vor Ort. Das Peace Corps soll gemäß Kennedy einen Beitrag Amerikas zum Frieden in der Welt leisten sowie den kulturellen Austausch zwischen den USA und anderen Kulturen fördern.

Die Ausgangsidee war, nicht nur Geld an Entwicklungsländer zu zahlen, sondern die Menschen aktiv in die Verbreitung von Demokratie und Freiheit einzubinden. Die Vermittlung von Wissen soll auf der Ebene der Menschen, für die Hilfe geleistet wird, stattfinden. Das bedeutet, dass die Freiwilligen gemäß den Bedingungen am Einsatzort zusammen mit den Menschen leben.

Als Nebeneffekt werden darüber hinaus die Beziehungen zwischen Dritte-Welt-Ländern und der Industrienation USA gefördert. Gemäß der Planungskommission sollte das Peace Corps „kein diplomatisches oder propagandistisches Unternehmen, sondern ein genuines Experiment in internationaler Partnerschaft“ sein. Das Projekt Peace Corps erfreute sich vor allem in den 60er Jahren – gemäß des damaligen Zeitgeistes – großer Beliebtheit. Im Laufe der Jahre wuchs jedoch Kritik am Peace Corps und es häuften sich, auch innerhalb der eigenen Reihen, Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Behörde. Unter anderem wurden die Effektivität und eigentliche Wirkung der Arbeit des Peace Corps bemängelt. Darüber hinaus sahen viele Kritiker in dem Peace Corps ein außenpolitisches Propagandainstrument, das den eigentlichen politischen Zweck – den Einfluss des Kommunismus zu schwächen – hinter dem Schein einer selbstlosen Hilfe zu verstecken suche.

Kennedy gab mit dem Peace Corps idealistisch eingestellten Amerikanern die Möglichkeit, sich sinnvoll und aktiv für Menschen der Dritten Welt einzusetzen und dadurch das Verhältnis zwischen Dritte-Welt- Ländern und den USA selbst mit zu beeinflussen. Auch wenn die Ausgangsidee und die offizielle politische Neutralität, vor allem mit steigendem Vietnam-Engagement nicht immer der Realität entsprachen, ist die symbolische Bedeutung der Schaffung des Peace Corps nicht zu unterschätzen. Das Programm steht wie sinnbildlich für den Willen zur Veränderung und für den Aufbruchgeist der Kennedy-Zeit.

Das eng mit John F. Kennedy verbundene Programm vergrößerte nicht nur dessen weltweite Popularität, sondern diente auch als Vorbildorganisation für den Deutschen Entwicklungsdienst in Bonn, der am 24. Juni 1963 gegründet wurde.

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