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Der Mythos Kennedy

“Jetzt denke ich [Jacqueline Kennedy], dass ich es hätte wissen müssen, dass er [John F. Kennedy] durch und durch magisch war. Ich ahnte es - aber ich hätte mir denken sollen, dass es zu viel verlangt ist mit einem solchen Mann alt zu werden.”

Eine Woche ­nachdem Präsident John F. Kennedy in Dallas erschossen worden war, ließ sich seine Frau, Jacqueline Kennedy, vom LIFE Magazine interviewen. Da der Präsident durch seinen plötzlichen Tod keine Chance gehabt hatte, sich wie andere Präsidenten vor ihm, in Büchern, Artikeln oder öffentlichen Stellungnahmen zu rechtfertigen, fühlte Jackie sich verpflichtet, ihn in der Öffentlichkeit und gegenüber Historikern ins rechte Licht zu rücken. Denn viele der großen Hoffnungen, die das amerikanische Volk in den 35. Präsidenten der Vereinigten Staaten gesetzt hatte, konnten innerhalb seiner 1.000 Tage im Amt nicht erfüllt werden. Jacqueline befürchtete, dass die Presse dies ausnutzen würde, um zu versuchen, seine Präsidentschaft herabzusetzen.

Im Jahr 1963 hatte das LIFE Magazine etwa sieben Millionen Leser und somit einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung. Sich dessen bewusst, versuchte Jackie die Berichterstattung und wie sie sagte, die „Geschichtsschreibung“ so zu kontrollieren, dass das Erbe ihres Mannes nicht durch Journalisten und Historiker, die ihm gegenüber missgünstig eingestellt waren, entwürdigt würde. Deswegen wollte sie, dass der Journalist und alte Familienfreund Theodor H. White das Interview mit ihr führt, um John F. Kennedy „vor all den verbitterten Menschen“ zu retten, die in Zukunft über ihn schreiben und mit ihm abrechnen würden.

So bestellte ihn die von Trauer gezeichnete Präsidentengattin am 29. November des Jahres 1963 nach Hyannis Port, um sich von ihm zum Attentat auf ihren Mann befragen zu lassen. Sie erzählte ihm, wie sie und Jack manchmal vor dem Schlafengehen den Soundtrack zum Broadway Musical „Camelot“ aufgelegt hatten und wie vor allem die letzten Zeilen des letzten Liedes einen besonderen Zauber auf den Präsidenten ausübten. „Don’t let it be forgot, that once there was a spot, for one brief shining moment that was known as Camelot.”

Wie in der Sage war Camelot das Königreich der Guten und sein Herrscher, König Artus, aufgrund seines Edelmuts beim Volke sehr beliebt. Wie er verzauberte auch das Präsidentenpaar die Menschen auf der ganzen Welt mit ihrem Charme und mit ihrer Ausstrahlung. Die Sage um Camelot und der damit einhergehende Artus Mythos suggerieren aber immer auch den Glauben des Volkes an die Wiederkehr bzw. die Auferstehung ihres Königs und die Wiederaufnahme seiner Herrschaft. Diese Symbolik kann folgerichtig nicht nur auf John F. Kennedy, sondern auf die gesamte Familie angewendet werden.

Am Ende des Interviews stellte Jackie Kennedy fest, dass Amerika in Zukunft bestimmt wieder großartige Präsidenten haben werde, aber nie wieder ein „Camelot“. „There’ll be great Presidents again […] but there’ll never be another Camelot again.“ Mit dieser Aussage stilisierte Jackie die Regierungszeit ihres Mannes zum „glanzvollen Moment Amerikas“. Seine Amtszeit war vielleicht kurz gewesen, aber dennoch hatte sie etwas Zauberhaftes innegehabt und war deswegen nicht weniger maßgebend als die anderer Präsidenten.

Das amerikanische Volk hatte durch den Kalten Krieg und seinen ungewissen Ausgang, dem Vietnam Krieg, der Kubakrise und nicht zuletzt auch durch die Ermordung ihres Präsidenten viel zu verkraften. Demnach wollte Jackie dieser traurigen Gegenwart den Glanz der alten Zeiten und der ruhmreichen Ritter einhauchen, indem sie den Camelot Mythos wieder zum Leben erweckte. Sie versuchte, der scheinbar sinnlosen Ermordung ihres Mannes durch die Mythologisierung einen Sinn zu geben. Deshalb nutzten Jackie und der jüngere Bruder des Präsidenten, Bobby Kennedy, den traurigen Anlass der Beerdigung JFKs, um den „Mythos Kennedy“ weiter zu schüren. Angelehnt an die Beerdigungszeremonie Abraham Lincolns, der erste Präsident, der einem Attentat zum Opfer gefallen war, wurde Kennedy auf dem gleichen Katafalk aufgebahrt und ein gesatteltes, reiterloses Pferd folgte, wie schon zuvor bei Lincoln, dem Sarg im Trommelgeleit. Die Reiterstiefel, die verkehrt herum in den Steigbügeln steckten, symbolisierten den gefallenen und verlorenen Reiter, der nicht mehr zurückkehren würde. Die gesamte Inszenierung sollte darauf hinweisen, dass es sich auch bei Kennedy um die Beerdigung eines Helden und Märtyrer handeln musste. Dieser Mythos lebt bis heute weiter. Der Bann, der von der Kennedy-Familie ausgeht, ist ungebrochen. Wie schon König Artus und seine Tafelrunde, übt auch sie eine immer währende Faszination auf die Menschen aus. Jacquelines Intention, das Vermächtnis ihres Mannes sicherzustellen, damit er als eine Legende in die amerikanische Geschichte eingeht, ist geglückt. Und doch stellt sie am Ende traurig fest: „Jetzt ist er also eine Legende, obwohl er viel lieber ein Mensch geblieben wäre.“

SG

JKF und das Space Race

Inmitten des Kalten Kriegs ergab sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen von Amerikanern und Sowjets in der Weltraumfahrt, das sogenannte space race. Am 4. Oktober 1957 ging ein „Sputnik-Schock“ um in der westlichen Welt, sagen die Geschichtsbücher. Damals beförderten die Sowjets den ersten Satelliten der Menschheitsgeschichte in seine Erdumlaufbahn. Das erschütterte allerdings nicht nur westliche, allen voran amerikanische, Selbstwahrnehmung. Die Sputnik-Zündung sorgte in den Vereinigten Staaten nicht allein dadurch für Furore, dass sie den Stolz einer Nation kränkte, die sich traditionell in globaler Führungsrolle sieht. Es waren die eher handfesten Implikationen des space race, die John F. Kennedy dazu bewegten, seine Agenda anzupassen. Tatsächlich avancierte die Raumfahrt zu einem seiner wichtigen politischen Anliegen. Rhetorisch ließ sich die New Frontier (neue Grenze), Leitmotiv des Kennedy-Programms, bereitwillig ins All verlegen. Dem Vorreiter in dieser neuen Disziplin, so sah es der Präsident, winkten vielfältige, genauer: „politische, wirtschaftliche und technologische Vorteile“. Was das Technologische betrifft, dachte Kennedy, würden mehr Zeit und Geld für die Raumfahrt den günstigen Nebeneffekt fortschreitender Satelliten- und Kommunikationstechnik mit sich bringen. Wirtschaftlich gesehen versprach ein spendierfreudiger Einstieg in das space race neue Arbeitsplätze.

Bei den „politischen Vorteilen“ schwebte Kennedy dann doch die internationale Imagefrage vor. Was wir vielleicht leichtfertig als Eitelkeit abtun möchten, war in Zeiten des Kalten Krieges ein ernstzunehmendes Problem. Jede Erfolgsstory, die es bis auf die Bühne der Weltöffentlichkeit schaffte, schrieb sich ein in den ideologischen Krieg der zwei Blöcke. Ein vermeintlich unpolitisches Sportereignis etwa verstand man entweder als Triumph der „freien Welt“ oder des Kommunismus. Durch Sputnik offenbarte sich nun der sowjetische Vorsprung in der Raumfahrt. Dieser ließ den real existierenden Sozialismus, vom Marktwirtschaftler gerne als rückständig verschmäht, in ganz neuem Licht erstrahlen – und drohte, das amerikanische System zu diskreditieren. Im Wettstreit um die Völker der Dritten Welt konnte ein solcher Prestigeverlust verhängnisvoll sein. Als Präsident Kennedy den NASA-Chef Jim Webb drängte, die verfügbaren Mittel verstärkt auf das Apollo-Unternehmen der ersten Mondfahrt zu konzentrieren, standen technologische oder wirtschaftliche Ambitionen vielleicht nicht im Mittelpunkt. Vielmehr, so scheint es, träumte Kennedy von der Schlagzeile in allen Zeitungen dieser Welt: „Der erste Mann auf dem Mond ist ein Amerikaner.“

Eine maßgebliche Rolle bei dem Apollo-Unternehmen der Mondfahrt, wie auch bei den vorausgehenden Raumfahrtprojekten Mercury und Gemini, spielte der Deutsche Wernher von Braun. Im Dritten Reich war Braun in der nationalsozialis-tischen Militärforschung tätig gewesen. Sein Name steht im Zusammenhang mit der V2-Raketentechnik. Sein Mitwirken im amerikanischen Lager des space race ermöglichte ihm die Rehabilitation als Wissenschaftler. Bald nach der ersten Mondlandung fiel Braun sogar der Posten des stellvertretenden NASA-Direktors zu. Ob diese Ernennung moralisch haltbar war, darüber lässt sich streiten. Von der amerikanischen Rechtschaffenheit jedenfalls, die noch die Entnazifizierungs-programme im Deutschland der Nachkriegszeit bestimmte, war im Fall Wernher von Braun nichts mehr zu spüren. Seine Nazivergangenheit wurde da ausgeblendet, wo er im Kalten Krieg begann nützlich zu werden.

Das Apollo-Projekt rückte unter Kennedy sehr schnell ins Zentrum der amerikanischen Raumfahrt. Im September 1962 hielt Kennedy eine Rede, in der er seine Ziele und Motivation darlegte. Damals winkte die Mondlandung als das nächste Etappenziel im space race. Mittlerweile hatten die Sowjets mit Sputnik nicht nur den ersten Satelliten gezündet, sondern auch den ersten Menschen ins All befördert: Am 12. April 1961 wurde der Russe Yuri Gagarin zum ersten „Kosmonauten“; so nannte man schon bald die sowjetischen Raumfahrer im Unterschied zu den amerikanischen „Astronauten“. Die Wegstrecke zu einer ersten erfolgreichen Mondfahrt, die sich nun auftat, versprach den USA die Möglichkeit einer Aufholjagd. Erst im Juli 1969, fast 6 Jahre nach dem Tod John F. Kennedys, sollte diese seine Vision sich bewahrheiten, was aber noch durchaus in dem von ihm gesetzten Zeitplan stand: zu reüssieren, bevor sich die 1960er dem Ende neigen. Eine ganze Nation verharrte wie gebannt vor den Fernsehbildschirmen und beobachtete Neil Armstrong, wie er als Erster seinen Fuß auf die Mondoberfläche setzte.

BJ

John F. Kennedys Besuch in West-Berlin

Am 26. Juni 1963 sprach John F. Kennedy die berühmten Worte, die seine Frau später einmal als die bekanntesten ihres Ehemannes bezeichnete. Am 3. Januar 1964 schrieb Jackie Kennedy in einem Brief an Willy Brandt: „Es ist eigentümlich – manchmal denke ich, daß die Worte meines Mannes, an die man sich am meisten erinnern wird, jene waren, die er nicht in seiner eigenen Sprache ausgedrückt hat: ‘Ich bin ein Berliner.’”

Der Aufenthalt in Berlin war für Kennedy die wohl wichtigste Station seiner Deutschlandreise vom 23. bis 26. Juni 1963. Neben seiner weltberühmten Rede am Rathaus Schöneberg unternahm er noch eine Visite beim Gewerkschaftskongress, besichtigte das Brandenburger Tor sowie den Checkpoint Charlie, hielt eine Rede an der Freien Universität und besuchte die in Berlin stationierten amerikanischen Truppen.

Ein Besuch West-Berlins war im Rahmen der Europareise des amerikanischen Präsidenten ursprünglich nicht vorgesehen. John F. Kennedy lehnte der amerikanischen Presse zufolge einen Aufenthalt in der geteilten Stadt aus taktischen Gründen ab, um das bereits angespannte Verhältnis zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR nicht weiter zu verschlechtern. Im Jahre 1961 hatte Kennedy drei „Essentials“ als die Hauptinteressen der USA gegenüber Deutschland festgelegt. Das erste der „vitalen Interessen“ nahm Bezug auf das Recht der alliierten Mächte, in den ihnen zugeteilten Besatzungs-gebieten präsent zu sein. Die anderen beiden „Essentials“ bezogen sich auf das Zugangsrecht der Alliierten nach Berlin und betonten die Wichtigkeit des Schutzes der Einwohner West-Berlins durch die Westmächte.

Willy Brandt, Regierender Bürgermeister West-Berlins, schickte am 12. März 1963 einen Brief an Kennedy. Darin bekräftigte er, dass die „Moral“ in Berlin gut sei, dass aber, angesichts der Schwierigkeiten im westlichen Lager ein Besuch in Berlin durch ein gemeinsames Auftreten aller drei Westalliierten die Einheit des Westens weithin sichtbar demonstrieren würde. Das Anraten einer Berlin-Reise von Seiten seines Bruders Robert F. Kennedy und des Außenministeriums führten letzten Endes dazu, dass Ende März die Berlin-Visite John F. Kennedys verkündet wurde. Der geschäfts-führende Minister im Außenministerium, McGeorge Bundy, sagte, dass Kennedy politischen Wert verschenken würde, wenn er die geteilte Stadt nicht mit in den Deutschlandbesuch einbezöge und fand sehr klare Worte: „Er muss Berlin besuchen.“

Als Kennedy am 26. Juni am Flughafen Tegel eintraf, war dies der Tag, an dem 15 Jahre zuvor die Berliner Luftbrücke in die Wege geleitet worden war. Lucius D. Clay, Initiator der Luftbrücke, begleitete Kennedy auf dessen Wunsch während seines Aufenthaltes in der geteilten Stadt. Bei der späteren Rede vor dem Rathaus Schöneberg würdigte Kennedy die Verdienste Clays, woraufhin in der Menschenmenge ein Begeisterungssturm losbrach.

Nach dem Empfang John F. Kennedys durch Bundeskanzler Konrad Adenauer, Bürgermeister Willy Brandt und den Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, Otto Bach, fuhr die Wagenkolonne des amerikanischen Präsidenten in Richtung Kongresshalle. Dort hielt Kennedy eine kurze Rede beim 6. Ordentlichen Gewerkschaftstag der „IG Bau, Steine, Erden“. Georg Leber, Vorsitzender der Gewerkschaft, überreichte dem amerikanischen Präsidenten einen Blumenstrauß, der von Gewerkschaftern Ost-Berlins stammte und zuvor über Schmuggelwege nach West-Berlin gelangt war.

In der DDR wurden Presse und Fernsehen hingegen von der „Agitationskommission beim ZK der SED“ dazu angehalten, den Besuch John F. Kennedys in West-Berlin „auf keinen Fall überzubewerten“. Die Regierung veranlasste am 25. Juni 1963 zudem, dass das Brandenburger Tor mit großen roten Stoffbahnen verhangen wurde, sodass Kennedy während seines Besuchs am nächsten Tag nicht auf die andere Seite sehen konnte. Ferner ließ das DDR-Regime eine Tafel anbringen, die den Präsidenten auf Englisch an die Vereinbarungen von Jalta und Potsdam erinnern sollte.

Im Anschluss an seinen Besuch beim Gewerkschaftskongress besichtigte Kennedy das Brandenburger Tor und den Checkpoint Charlie. Laut einem Bericht des US-Fernsehsenders NBC war es „offensichtlich, daß er emotional erregt war, durch das, was er hier gesehen hatte.“ Seine bereits vorbereitete Rede vor dem Schöneberger Rathaus änderte Kennedy daher kurz vor seinem Auftritt noch einmal um. Ursprünglich sollte seine Ansprache inhaltlich eher moderat gehalten werden, im Einklang mit der von ihm angestrebten Koexistenzpolitik. Die USA waren auf ein möglichst neutrales Verhältnis zur UdSSR aus, um ein Atomteststopp-Abkommen zu ermöglichen. Vor dem Rathaus Schöneberg, wo sich Schätzungen zufolge bis zu 450.000 Menschen versammelt hatten, bezog der amerikanische Präsident jedoch deutlich Stellung. Er sprach sich gegen den Kommunismus aus und kritisierte die Errichtung der Berliner Mauer, was er in einem Satz deutlich formulierte: „Die Mauer ist die abscheulichste und stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Regimes.“ Zudem sicherte Kennedy den West-Berlinern durch den lautstark umjubelten Satz „Ich bin ein Berliner“ seine Unterstützung zu. Nach der emotionsgeladenen Rede des Präsidenten, die großen Anklang beim Berliner Publikum fand, wurde im Rathaus ein Mittagessen eingenommen. Anschließend ging es zur vorletzten Station des Präsidenten-besuchs, der Freien Universität, wo Kennedy das Ehrenbürgerrecht erhielt. Nach seiner Ansprache an der FU traf der Präsident schlussendlich am Hauptquartier der amerikanischen Truppen ein, wo er einige Worte zu den Soldaten sprach. Kennedy ließ die Truppen wissen, dass sie vollsten Rückhalt in der amerikanischen Bevölkerung hätten und dass er sich der schwierigen Lage, in der sie sich befänden und die in der amerikanischen Geschichte einmalig sei, voll und ganz bewusst sei.

Auf dem Rückweg zum Flughafen Tegel erwarteten den Präsidenten jubelnde Menschenmengen an den Straßenrändern. Vor seinem Abflug bedankte Kennedy sich noch einmal für den herzlichen Empfang der ihm bereitet worden war und sagte, dass er für seinen Nachfolger eine Nachricht hinterlegen wolle, für den Fall dass schlechte Zeiten kämen. Darin würde zu lesen sein: „Go to Germany.“ Der Berlin-Besuch, der im Vorfeld so stark umstritten war, war letzten Endes einer der größten Erfolge der Amtszeit Kennedys.

KP

JFK vs Nixon – The First TV Debate

It is hardly contested among experts that the four TV debates between Kennedy and Nixon played a crucial role for the election results of 1960. Some might even consider the first encounter, in September, a turning point in the struggle to win the people’s favor. This is only logical if it was indeed not so much the contents that decided the election than the contrastive personalities, or more precisely: their medialization – the candidates’ image. Whereas Kennedy succeeded in breathing youthful freshness and a national spirit of optimism into his public reputation, Nixon had to wrestle constantly with his abrasive, as he called it himself, “assassin image.”

The effect might well have waned by the night of the election, but we can, with some accuracy, establish the immediate impression the verbal sparring matches unfolded on the electorate. Both radio listeners and TV viewers were interviewed after the first encounter which candidate they regarded as the winner of the confrontation – and the comparison, in particular, is conclusive in this case: Those who followed the duel at their radios commonly assessed the debate as a draw, or even conceded a win to Nixon; those, though, that witnessed the audiovisual spectacle of how not only Kennedy and Nixon themselves spoke, but also outfits and gestures, camera positions and spotlights, mostly saw Kennedy as the victor. How come this difference? Provided we omit content and sound in answering this question, i.e. everything that radio and TV broadcast have in common, what is left to us is to point to the powers of TV pictorial language.

I will only point out two aspects here. First: differences in the duellists’ outward appearance. Even to such trivia as the shirt color experts ascribe significance – the overall impression, so the comments imply, is the sum of details. Bearing in mind this very sensitivity of his audience to the little things, Kennedy dispatched his aides only shortly before the show to fetch him a blue shirt to replace the white one he was wearing. Nixon either hadn’t been warned of the scenery’s light gray – as chance would have it, he was wearing light gray. Now he didn’t react as cleverly as his opponent, though. The upshot was a JFK in pleasant contrast next to a Nixon looking fairly blurry against the studio backdrop. And Nixon had yet one more problem: his five o’clock shadow – according to the commentators, an absolute no-go for a would-be president, in any case back then in 1960. For his next TV performances, his spin doctors were to equip him with more effective make-up. On September 26, however, they had settled for Lazy Shave, a light powder for men with a heavy growth in the afternoon. This scheme succeeded only moderately; his beard showed through and, for good measure, the powder proved quite vulnerable to sweat. Presumably, hardly any one was going to infer political competence or lack thereof from these, strictly speaking, superficial observations. Anyway, from a future president, and hence the personified figurehead of the nation, many might have expected some more care about his appearance.

Second: (body-)linguistic orientation. Already in his initial statement Kennedy showed an awareness that, what he and Nixon were to declare that night, didn’t speak to those present in the studio, the campaign assistants, reporters and TV makers, but the Americans glued to their domestic TV sets. He used, as the contemporary commentator Theodore H. White notes with slight irony, each question to address an appeal to the nation. Nixon, by contrast, remained arrested in the space-time continuum of the studio. His knowing that the cameras represented millions of potential voters didn’t have an obvious effect on his performance. Most of the time he sought the dialogue with Kennedy and the journalists, and thus relegated the viewer to the role of a passive observer. For Kennedy, the debate reinforced his image of the people’s motivator, a young, unspent politician, who neither intended to stand in the way of change nor shrunk back from setting out for new frontiers himself.

For Nixon, the first debate went unexpectedly bad. In fact, he had been very confident about September 26. Some might say, it was arrogance that prevented him from preparing thoroughly on the day of the duel, in contrast to JFK, who came together with his closest advisors one last time. Nixon seemingly remembered vividly his 1952 campaign which had brought him very positive experiences with TV cameras. However, the direct TV confrontation of the two major candidates for president reached the status of an American electioneering custom as an absolute novelty in 1960. Also for the Republican candidate, then, the terrain that was opening up now was entirely new. Nixon’s certainty about his own media qualities ultimately proved too trustful. Even if, for the progression of this first and the following three debates as well as the respectively subsequent evaluations by the audience, factors played a role that evaded the candidates’ influence, we can establish: Kennedy showed a far better understanding of how the medium television works. We might think it too daring to elevate a single night of the electioneering period to the significance of a “turning point.” At least we need to take into account, however, that 115 million Americans (White) watched one or more debates at home. Hence, an explication for the election results of 1960 can by no means ignore the “TV factor.”

BJ

Die erste TV-Debatte

Dass die vier TV-Duelle zwischen Kennedy und Nixon für den Ausgang der Wahlen 1960 eine zentrale Rolle spielten, steht unter Experten kaum zur Debatte. Manch einer sieht das erste Aufeinandertreffen am 26. September gar als Wendepunkt im Wettstreit der beiden Kandidaten um die Gunst der amerikanischen Wählerschaft. Das wäre nur folgerichtig, wenn die Wahl wirklich, wie Historiker Andreas Etges vermutet, weniger durch Inhalte entschieden wurde als durch den Kontrast der Persönlichkeiten, oder treffender: die Medialisierung derselben – das Image. Während JFK es vermochte, seinem öffentlichen Vorstellungsbild jugendliche Frische und nationale Aufbruchstimmung einzuhauchen, hatte Nixon stets mit seinem etwas rauhbeinigen, wie er es nannte, „assassin image“ (Image eines Attentäters) zu kämpfen.

Selbst wenn der Effekt bis zum Wahlabend natürlich wieder verpufft sein konnte, lässt sich mit einiger Treffsicherheit der unmittelbare Eindruck feststellen, welchen die Rededuelle auf das Wahlvolk entfalteten. Sowohl Radiohörer als auch Fernsehzuschauer wurden im Nachhinein befragt, welchen Kandidaten sie denn als „Gewinner“ der Konfrontation einschätzten – und besonders der Vergleich ist hier einschlägig: Unter denjenigen, die das Duell nur vertont mitverfolgten, wertete man die Konfrontation vornehmlich als Unentschieden, oder räumte gar Nixon ein Übergewicht ein. Wer allerdings als audiovisuelles Spektakel miterleben durfte, wie nicht nur Kennedy und Nixon selber sprachen, sondern auch Outfits und Gebärden, Kameraposition und Scheinwerferbeleuchtung, der sah gemeinhin JFK auf der Siegerseite. Wie kam dieser Unterschied zu Stande? Sofern wir Inhalt und Ton bei der Beantwortung dieser Frage außen vor lassen, also alles, was Radio- und Fernsehübertragung gemein hatten, verbleibt uns der Hinweis auf die Macht televisueller Bildsprache.

An dieser Stelle nur zwei Punkte, erstens: das unterschiedliche Erscheinungsbild der beiden Präsidentschaftskandidaten. Selbst solchen Details wie der Farbe des Hemdes messen die Experten Bedeutung bei – der Gesamteindruck auf der Mattscheibe sei schließlich, so könnte man die Kommentare zusammenfassen, die Summe von Kleinigkeiten. Eingedenk eben dieser Empfindlichkeit seines Publikums für das Kleine aber Feine, sandte Kennedy noch kurz vor Beginn der Übertragung seine Helfer aus, um ihm ein blaues Hemd anstatt des weißen, das er am Leib trug, zu besorgen. Auch Nixon war nicht vor dem hellen Grau der Szenerie gewarnt worden – wie der Zufall es wollte, trug er helles Grau. Nun reagierte er allerdings nicht so gewandt wie sein Widersacher. Das Resultat war ein JFK in gefälligem Kontrast neben einem Nixon, der vor dem Hintergrund der Studioleinwand verschwamm. Des Weiteren machte dem Republikaner sein starker Bartschatten zu Schaffen – den amerikanischen Kommentatoren zufolge ein absolutes No-Go im Präsidentschaftswahlkampf, zumindest der damaligen Zeit. Für seine nächsten Fernsehauftritte würden ihn seine spin doctors mit effektiverem Make-Up ausrüsten, bei Nixons erstem Duell am 26. September allerdings begnügte man sich mit dem Einsatz von Lazy Shave, einem leichten Puder für Männer mit starkem Wuchs am Nachmittag. Der Erfolg war mäßig; es schien viel durch, und das Puder erwies sich zu allem Überfluss als anfällig für Schweiß. Vermutlich mochte kaum jemand von diesen Äußerlichkeiten auf inhaltliche Kompetenz oder Mangel derselben schließen. Vom künftigen Präsidenten, und damit dem personalen Aushängeschild der Nation, erwartete der eine oder andere aber vielleicht ein etwas sorgfältigeres Erscheinungsbild.

Zweitens: die (körper-)sprachliche Orientierung. Schon bei seinem Eingangsstatement zeigte Kennedy ein Bewusstsein dafür, dass, was er und Nixon heute Abend skandierten, letztlich nicht für die im Studio Anwesenden gedacht war, die Wahlkampfberater, Journalisten und Fernsehmacher, sondern für die Amerikaner vor den heimischen TV-Sets. Er nutzte, wie der zeitgenössische Kommentator Theodore H. White leicht ironisch bemerkt, jede Frage zu einem Appell an die Nation. Nixon dagegen blieb weitgehend befangen im Raum-Zeit-Kontinuum der Studioaufzeichnung. Das Wissen darum, dass sich hinter den Kameras Millionen von potenziellen Wählern verbargen, vermochte er nicht in einen entsprechenden Auftritt umzumünzen. Die meiste Zeit suchte er den Dialog zu Kennedy und Moderation und deklassierte den Zuschauer zu einem unbeteiligten Beobachter. Für Kennedy bestätigte sich also hier – um so mehr in direkter Gegenüberstellung zu dem eher unpässlichen Nixon – das Image des volksnahen Motivators, eines jungen, unverbrauchten Politikers, der sich der Umbruchsstimmung seiner Zeit nicht verwehren und selbst zu neuen Grenzen aufbrechen will.

Für Nixon hingegen lief diese erste Debatte alles andere als geplant. Eigentlich hatte er dem 26. September sehr zuversichtlich entgegengeblickt, wenn nicht gar etwas überheblich: Auf eine intensive Vorbereitung am Tag des Aufeinandertreffens, wie Kennedy sich einer unterzog, verzichtete er. Er erinnerte sich offenbar lebhaft an seine Kampagne von 1952, die ihm sehr positive Erfahrungen mit seiner Medienwirksamkeit beschert hatte. Die direkte TV-Konfrontation zweier Kandidaten erreichte den US-amerikanischen Wahlkampfritus 1960 allerdings als absolute Neuheit. Auch für Nixon öffnete sich hier ein völlig neues Terrain. Die Gewissheit über seine eigene unbedingte Fernsehtauglichkeit erwies sich letztlich als zu vertrauensvoll. Auch wenn für den Verlauf dieser ersten und aller weiteren TV-Debatten des Wahljahres 1960 sowie für die jeweils anschließende Einschätzung der Kandidaten durch die amerikanischen Wähler durchaus Faktoren eine Rolle spielten, die sich dem Einfluss der beiden Kandidaten entzogen, lässt sich feststellen: Kennedy zeigte ein weitaus besseres Verständnis für die Funktionsweise des Mediums Fernsehen. Es mag sein, dass wir nicht so weit gehen und eine einzige Nacht des Wahlkampfes zum „Wendepunkt“ erheben wollen. Zumindest müssen wir jedoch in Rechnung stellen, dass 115 Millionen Amerikaner (so White) eine oder mehrere der Debatten im Fernsehen sahen, und somit wohl keine Erklärung des Wahlausgangs ohne die Macht der TV-Inszenierung auskommen kann.

BJ

Caroline Bouvier Kennedy

Am 27. November 1957 wurde in New York die erste Tochter des zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, John F. Kennedy und seiner Frau ,Jacqueline Bouvier Kennedy, geboren - etwa vier Jahre nach deren Hochzeit am 12. September 1953.

Schon von Kindesbeinen an war Caroline Kennedy von Kameras und Journalisten umgeben. Sie wurde direkt in den Wahlkampf ihres Vaters zum Präsidenten hineingeboren und spielte auch eine wesentliche Rolle darin.

Durch die Geburt seiner Tochter erschien Senator John F. Kennedy in der Öffentlichkeit als reifer und verantwortungsbewusster Mann, der sich um Frau und Kind und demnach auch um einen ganzen Staat kümmern konnte.

1960, als Caroline drei Jahre alt war, wurde ihr Vater zum 35. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt.

Die Familie Kennedy zog ins Weiße Haus ein und stand somit noch mehr in der Öffentlichkeit als ohnehin schon zuvor. Dadurch wurde eine normale und ruhige Kindheit für Caroline und ihren Bruder John Jr., der am 25. November 1960 zur Welt kam, so gut wie unmöglich.

Trotzdem versuchte Jackie Kennedy ihren Kindern ein behütetes Leben zu ermöglichen. Sie richtete zum Beispiel einen Vorschulkindergarten ein, in dem Caroline und John Jr. auch andere Kinder in einem relativ neutralen Umfeld kennenlernen und Freundschaften schließen konnten. Berühmt sind auch die Bilder, welche die beiden Geschwister mit ihrem Vater spielend im Oval Office zeigen.

Doch die augenscheinlich harmonische Lebenssituation hielt nicht lange an. Am 22. November 1963 wurde John F. Kennedy während eines Besuches in Dallas, Texas, gewaltsam ermordet, und Caroline verlor mit gerade einmal sechs Jahren ihren Vater.

Selbst in dieser tragischen Zeit war es ihr und ihrer Familie nicht vergönnt, sich zurückzuziehen, um den Schmerz und die Trauer privat zu verarbeiten. Gerade jetzt waren Fotografen erpicht darauf, Bilder der trauernden Familie zu machen.

So ist es vielleicht auch nachvollziehbar, dass Caroline Kennedy in den folgenden Jahren und bis heute die Öffentlichkeit scheut und ihre Privatsphäre schützt.

Um ihren Kindern mehr Anonymität zu bieten, zog Jackie 1964 mit ihnen nach New York City.

Bobby Kennedy versuchte die Familie wieder aufzubauen und fungierte als eine Art Ersatzvater für die Kinder, doch Caroline, die von Natur aus schon ein schüchternes Wesen hatte, zog sich immer mehr zurück.

Im Jahr 1968 verlor Caroline dann auch diese Vertrauensperson aufgrund eines politischen Attentates in Los Angeles.

In den folgenden Jahren versuchte sie immer weniger in der Öffentlichkeit aufzutreten. Zwar begleitete sie ihre Mutter zu offiziellen Anlässen, doch ihr eigenes Leben gestaltete sie eher bodenständig.

Sie studierte am Radcliffe College und an der Columbia Law School Jura und arbeitete dann zeitweise im Senatsbüro ihres Onkels Edward Kennedy.

Am 19. Juli 1986 heiratete sie den Designer Edwin Schlossberg, den sie 1980 bei ihrer Arbeit im Metropolitan Museum of Art kennen gelernt hatte. Das war auch ganz zum Wohlgefallen ihrer Mutter Jackie, die mit Carolines Wahl durchaus einverstanden war.

Ihr erstes Kind bekam sie im Juni 1988 und benannte es nach ihrer Großmutter Rose Kennedy Schlossberg. 1990 folgte das zweite Kind Tatiana und 1993 ihr Sohn John, getauft nach ihrem Vater John F. Kennedy.

Leider sollte auch diese Familienidylle durch weitere Schicksalsschläge erschüttert werden.

Nachdem bei ihrer Mutter Jackie Krebs festgestellt wurde, starb diese 1994 in ihrer Wohnung in New York. Nur wenige Jahre später verlor sie zudem noch ihren Bruder John Jr., der 1999 bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Martha’s Vineyard ums Leben kam.

Ereignisse wie diese machten Caroline umso deutlicher bewusst, wie wichtig ihr ihre Privatsphäre war, und sie tat alles, um sich und ihre Kinder vor ungewollten Überfällen der Presse zu schützen.

Wenn ihr Name in den Medien auftauchte, dann lediglich im Bezug zu ihren Veröffentlichungen als Autorin. So brachte sie zum Beispiel in Gedenken an ihre Mutter einen erfolgreich publizierten Gedichtband mit dem Titel The Best-Loved Poems of Jacqueline Kennedy Onassis heraus. Andere Werke Caroline Kennedys sind unter anderem The Right to Privacy (1995), A Family of Poems (2005) oder A Family Christmas (2007).

Neben ihrer Tätigkeit als Autorin engagiert sie sich außerdem für wohltätige Zwecke und den Erhalt des Andenkens an ihren Vater, was man nicht zuletzt auch an ihren erfolgreichen Bemühungen sehen kann, die Ausstrahlung einer historisch nicht ganz korrekten Serie mit dem Namen „The Kennedys“ in den USA zu verhindern.

Caroline Kennedy ist Präsidentin der Kennedy Library Foundation sowie Vorsitzende des American Ballet Theatre.

Erst seit Barack Obamas Wahlkampf zum Präsidenten 2008 gilt Carolines Interesse wieder politischen Themen. Gemeinsam mit ihrem Onkel Ted Kennedy unterstützte sie Obamas Kandidatur. In einer mitreißenden Rede setzte sie ihn und seine politischen Visionen mit ihrem Vater John F. Kennedy gleich und hoffte auf eine politische Ära, die den Menschen genauso viel Hoffnung und positive Veränderungen bringt, wie die Zeit der Präsidentschaft ihres Vaters.

“Over the years, I’ve been deeply moved by the people who’ve told me they wished they could feel inspired and hopeful about America the way people did when my father was president. This sense is even more profound today. That is why I am supporting a presidential candidate in the Democratic primaries, Barack Obama.”

Weiteres politisches Interesse zeigte Caroline Kennedy 2009, als sie sich für das Amt der Senatorin für den Bundesstaat New York als Nachfolgerin von Hillary Clinton bewarb. Sie zog jedoch ihre Kandidatur aus persönlichen Gründen wieder zurück.

CH

Hyannis Port - Wo Präsidenten Urlaub machen

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts besiedelten englische Farmer das Cape Cod in Massachusetts. Der kleine Ort Hyannis Port wurde durch die Fischerei und seine wunderschöne Küstenlinie bekannt und bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Fischerdorf zu einem Rückzugsort für viele berühmte Bewohner der nahegelegenen Stadt Boston. So verbrachten die US-Präsidenten Ulysses S. Grant und Grover Cleveland ihre Sommermonate an den Stränden von Hyannis Port und es sollte sich noch ein dritter Präsident zu ihnen gesellen.

Die salzhaltige Luft lockte 1929 auch Joseph P. Kennedy und seine Ehefrau Rose nach Hyannis. Nach dem Umzug der Familie nach Riverdale wollten Joe und Rose die Verbindung zu ihrer Heimat Boston nicht verlieren und entschieden sich für ein Sommerhaus auf einem Hektar Grund mit Blick auf den Hafen. Hier sollte der Kennedy-Clan von nun an seine Sommer verbringen und einen Schauplatz für schöne Kindheitserinnerungen der neun Sprösslinge, aber auch die dunkelsten Kapitel in der Familiengeschichte finden.

In den folgenden Jahren vergrößerte und modernisierte Joseph das Anwesen und passte es so den Bedürfnissen seiner Familie an. Allein im Haupthaus befanden sich vierzehn Schlafzimmer, neun Bäder, ein Theater- und ein Kinosaal. Des Weiteren wurden zwei Gästehäuser, ein Swimmingpool und ein Tennisplatz gebaut. In den Sommerferien glich das sogenannte „Kennedy Compound“ einer Art Familien-Bootcamp. Schwimmen, Segeln, Tennis, Touch-Football, mehrere Trainer wurden angestellt, um die Kinder zu Spitzenleistungen zu treiben. In Hyannis Port lernten die Kinder außerdem, das Leben auf dem Land und mit dem Meer zu genießen, was zum festen Bestandteil des Familienlebens wurde.

1956 erwarben auch John F. Kennedy und Jackie ein kleineres Haus mit vier Schlafzimmern auf dem Terrain und läuteten so die goldenen Zeiten in Hyannis Port ein. Auch am Wahltag kamen alle Kennedys in Hyannis Port zusammen und in fast allen Räumen der diversen Häuser waren Fernsehgeräte eingeschaltet. Einer bekannten Anekdote zufolge versammelten sich alle Familienmitglieder im Haus der Eltern und als die Ergebnisse feststanden, erhoben sie sich. Er war nicht mehr nur Jack, es lebte wieder ein Präsident in Hyannis Port. Und dazu war er auch noch der erste katholische Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

In geringer Entfernung zum Kennedy Compound befindet sich die St. Francis Xaver Church. Schon in den 20er-Jahren besuchten Rose und Joseph die Kirche regelmäßig und auch in den folgenden 60 Jahren war sie der Hauptanlaufpunkt für die meisten Familienmitglieder. Die Kennedys veranstalteten dort Hochzeiten und Beerdigungen und schon bald gaben die Einheimischen der kleinen Kirche den Namen „Kennedy Church“. Auch Präsident John F. Kennedy besuchte während seiner Sommer in Hyannis Port regelmäßig die Sonntagsmesse. Während seiner Amtszeit saßen die Kennedys stets in der zweiten Reihe der Kirchenbänke. Vor und hinter ihnen musste Platz für den Secret Service bleiben.

Auch heutzutage ist die Kennedy-Aura in dem Küstendorf allgegenwärtig. Nur ein paar Schritte von der Kirche entfernt findet man das John F. Kennedy-Hyannis-Museum. Mehr als 50.000 Besucher reisen jährlich an das Cape Cod, um zu sehen, wie eine der berühmtesten Familien des Landes ihre Sommerferien verbrachte. Die Anwesen sind zwar vor neugierigen Blicken geschützt und können nur vom Wasser aus besichtigt werden, allerdings ist es nicht unüblich, Mitgliedern der Familie Kennedy oder Shriver auf den Straßen des Fischerortes oder im ansässigen Hyannis Port Yacht Club zu begegnen. Diese Anwesen und der Ort Hyannis Port stehen für den Geist des Kennedy-Clans. Dort versammelten sie sich, sei es in Freude oder in Trauer, um Geist und Lebenskräfte zu erneuern.

LB

John F. Jr.

John F. Jr.

But like his father, he had every gift but length of years” (Edward Kennedy)

Am 25.11.1960, knapp einen Monat, nachdem sein Vater zum Präsidenten gewählt worden war, kam der kleine John F. Junior zur Welt. Hineingeboren in ein Umfeld, das Glamour und Macht verkörperte, versuchte seine Mutter Jackie alles, um ihn von dieser Glitzerwelt fern zu halten und ihre Kinder zu beschützen. Dies zog sich wie ein roter Faden durch deren Leben. So oft ihr Vater es einrichten konnte, flogen alle nach Hyannis Port, um dort ein paar ruhige Tage zu verbringen.

Doch 1963 sollten die friedlichen Zeiten ein Ende nehmen. Nanny Miss Shaw war diejenige, die John mitteilen musste, dass Daddy nicht mehr wieder kam. An seinem dritten Geburtstag wurde sein Vater auf dem Nationalfriedhof von Arlington beigesetzt. Onkel Bobby versuchte, so gut es ging, Ersatzvater zu spielen und hatte ein gutes Verhältnis zu John-John. Nachdem der Druck der Presse auf Jackie und die Kinder immer größer wurde, beendete sie die Ära Washington und zog nach New York.

Die Zeiten wurden nicht besser und 1968 verloren John und seine Schwester Caroline durch die Ermordung an Robert F. Kennedy einen zweiten Vater. In tiefer Trauer kehrte Jackie den USA den Rücken zu und ging nach Griechenland. Dadurch entfernte sie sich nicht nur räumlich sondern auch im Kopf von Amerika und dem Kennedyclan. Wichtig war ihr jedoch, dass John und Caroline die Beziehung zur Familie hielten.

Obwohl John Jr. sich mit seinem neuen Stiefvater verstand (dieser schenkte ihm unter anderem ein Segelboot), fand er keinen großen Gefallen an der baldigen Hochzeit Jackies mit Aristoteles Onassis. Stattdessen wuchs sein Interesse am Leben und Wirken seines verstorbenen Vaters und in der Schule spielte er seinen Freunden dessen berühmteste Reden vor.

Was Jackie nach einigen Jahren missfiel, war der aufkommende Wunsch ihres Sohnes Journalist zu werden, seine wachsende Leidenschaft für die Theaterbühne und als Teenager der gelegentliche Konsum von Alkohol. Durch die vielen Affären ihres Mannes mit Schauspielerinnen traute sie dem Showbusiness nicht.

Faul war John jedoch keineswegs: er war u.a. als Freiwilliger mit den Peace Corps in Guatemala. Das reichte Jackie allerdings nicht: sie wollte, dass er seine Augen weiteren Kulturen gegenüber öffnete und schickte ihn nach Kenia. Aus dem kleinen Jungen war mit den Jahren ein attraktiver, junger Mann geworden.

Er kannte die Macht seines Namens, lehnte vielleicht gerade deshalb das Angebot, Student in Harvard zu werden, ab und entschied sich für die Brown Universität. Durch Geschichts- und Vietnamseminare erhoffte er sich ein Verständnis vom politischen Handeln seines Vaters zu bekommen und nachdem er einen Südafrikatrip unternahm, wuchs in ihm der Wille, etwas gegen die Apartheid zu tun.

John Jr. entwickelte schon als Junge ein soziales Engagement, das besonders durch seine Mutter und auch Onkel Bobby gestärkt wurde. In späteren Jahren unterstützte er diverse Projekte in New Yorker Armenvierteln. Zum Ende seiner Zeit in Brown war John, der zur Abschlussfeier Cowboystiefel trug, der festen Überzeugung, dass er als Schauspieler arbeiten wollte. Doch wie so häufig stellte sich Jackie diesen Plänen in den Weg.

1987 erfüllte er ihr endlich den Wunsch, ein Jurastudium zu beginnen. Nachdem nun das erste Mal alles nach den rechten Vorstellungen seiner Mutter verlief, traten Gerüchte auf, dass er eine Affäre mit Madonna habe und das Magazin People wählte ihn 1988 zum Leidwesen Jackies zum „Sexiest Man Alive“.

1994 traf die Kennedykinder ein weiterer Schicksalsschlag – bei Jackie wurde ein Non-Hodgkin-Lymphom diagnostiziert. Zu dieser Zeit trat das ehemalige Model Carolyn Bessette in Johns Leben und war ihm eine große Stütze. Die zwei wurden schnell ein Paar, obwohl beide zum Zeitpunkt des Kennenlernens andere Partner hatten. Nachdem sie sich 1996 in Georgia vermählten, gab es jedoch oft Dispute zwischen den beiden und besonders Carolyn kam mit den ständigen Belagerungen der Photographen sehr schlecht zurecht.

Im März bestätigte er, dass er ein Politmagazin mit dem Namen „George“ rausbringen würde, was ihn über die weiteren Monate beschäftigt hielt und ihm während der Trauer über den plötzlichen Tod seiner Mutter im Mai hinweg half. Mit Jackies Tod war der Zeitpunkt gekommen, an dem John Jr. seine engste Beraterin verlor, was ihm zum Verhängnis wurde. Kurz darauf erfüllte er sich den lang gehegten Wunsch einer Fluglizenz, ein Hobby, von dem Jackie ihm immer wieder abgeraten hatte. Mit nur knapp hundert Flugstunden stürzte sein Flugzeug am 16. Juli 1999 im dichten Nebel in der Nähe von Marthas Vineyard ab und mit ihm starben seine Frau Carolyn und ihre Schwester Lauren. Er wurde nicht älter als 39 Jahre.

CP

Der Jackie-Look

„Schaltet das Licht an, damit sie Jackie sehen können“, sagte John F. Kennedy im Wagen auf dem Weg zu seiner Amtseinführung.

Bis heute gilt Jaqueline Lee Bouvier Kennedy Onassis als eine der größten Stilikonen des 20. Jahrhunderts. Sie prägte das Modebewusstsein einer ganzen Generation. Dabei war ihr Stil nicht nur von ästhetischem, sondern auch von politischem Interesse.

Bei der Wahl ihrer Kleider wurde Jackies enge Bindung zu Frankreich besonders augenfällig, was häufig für Kritik seitens der Presse sorgte. Sie bevorzugte exklusive Pariser Designer wie Givenchy, Balenciaga oder Chanel und orderte ihre Kleider vornehmlich in Pariser Couture-Häusern oder kaufte Kopien dieser in den USA. Ihr gefielen einfache, ärmellose Kleider mit klarer Linie: schlicht, elegant und zeitlos. Unmittelbar nach der gewonnenen Präsidentschaftswahl 1960 machte Jackie den amerikanischen Designer Oleg Cassini zu ihrem persönlichen Modebeauftragten und Schneider. Oleg Cassini entstammte dem russischen Adel, war in Paris geboren und seit längerem als Designer in den USA ansässig.
Diese Entscheidung war ein geschickter Schachzug von Jackie. Aufgrund seiner europäischen Wurzeln kannte und verstand Cassini die französische Mode. Gleichzeitig war er, durch seinen Dienst bei der Army, eingebürgerter Amerikaner und zudem in der Modeszene relativ unbekannt. Auf diese weise hatte Jackie, wie gewünscht, einen Designer mit europäischen Wurzeln und wirkte gleichzeitig den Vorwürfen der Öffentlichkeit, es mangele ihr an Patriotismus und sie sei größenwahnsinnig, entgegen.

Jackie besaß eine klare Vorstellung von sich selbst und dem, wie sie wirken wollte. Ihr ging es darum, Schönheit, Stil und Würde auszustrahlen. Cassini wiederum besaß, dank seiner Erfahrung als Kostümdesigner in Hollywood, die Fähigkeit, Kleidung individuell nach einem Skript zu entwickeln. Seine Kleider waren von Beginn an ein herausragender Erfolg. Nicht nur sein Talent und Geschmack trugen dazu bei, sondern auch seine überaus große Kooperation und Akzeptanz Jackie gegenüber; kein Stück, dass er für sie entwarf, durfte von einer anderen Frau getragen oder in seine eigene Kollektion aufgenommen werden. Außerdem bestand Jackie weiterhin darauf, Kleider anderer, primär französischer, Designer zu tragen. Neben Oleg Cassini hatte Jackie Modebeauftragte in New York, Paris und Rom, die vor Ort Stücke für sie kauften und mit aktuellen Informationen aus der Modewelt versorgten.

Marita O’Connor aus der Hutabteilung bei Bergdorf und Goodman war Jackies Schuh- und Hutbeauftragte. Genau wie ihr Mann war Jackie Hüten eher abgeneigt. Aber sie wusste, dass ein Hut bei bestimmten Anlässen unerlässlich war. „Ach, wie schön war es doch, als ich noch keine Hüte aufzusetzen brauchte. Ich komme mir damit so lächerlich vor“, sagte sie zu „Miss Marita“. Jackie orderte bei ihr „ein paar Hüte aus der unteren Etage“, die leicht zu tragende und auf dem Hinterkopf sitzende Pillbox-Art. So entstand der Hut, der zu Jackies Markenzeichen wurde – ein Hut, der ihrem großen Kopf und der aufgetürmten Frisur stand.

Um Jackies Frisuren kümmerte sich der New Yorker Frisör Kenneth Batelle. Er bändigte, toupierte und frisierte Jackies glänzende Löwenmähne für wichtige Anlässe. Obwohl Jackies Stil elegant und subtil war, wurde er schnell zur Mode der breiten Masse. Und so war der Begriff „Jackie-Look“ nur zwei Monate nach Jacks Präsidentschaftswahl fester Bestandteil der Modeszene.

DB

JFK, der Dauerpatient

Von außen betrachtet, besonders auf Photographien, wirkte John F. Kennedy wie ein charismatischer, fitter Mann im besten Alter, der aktiv war und gerne Sport trieb. Doch die erst vierzig Jahre nach seinem Tod durch den Historiker Robert Dallek veröffentlichten Krankheitsakten zeichnen eine Leidensgeschichte nach, die man dem damaligen Präsidenten keinesfalls angesehen hat.

Bereits mit zwei Jahren wurde der kleine John auf Grund von Scharlach zwei Monate stationär behandelt. Während seine Mitschüler des katholischen Internats Canterbury Football spielten, musste John viel zu oft das Bett des Internatskrankenhauses hüten. Er hatte Asthma sowie diverse Allergien und musste seine Footballleidenschaft wegen Rückenproblemen aufgeben. Des Weiteren wurde bei dem erst Dreizehnjährigen ein länger andauerndes, nicht definierbares Leiden festgestellt. Symptome waren unter anderem ständige Müdigkeit, Gewichtsverlust und auch Wachstumsstörungen, die ihm dazu noch Knieschmerzen bescherten. Auch seine Zeit an der Harvard University war geprägt von ständiger Krankheit, besonders von Darmproblemen. Die deswegen verabreichten Steroide trugen nur mäßig zu einer Verbesserung bei und riefen Osteoporose an den Lendenwirbeln hervor.

Der junge John wusste, wie schwach er war, doch sein Wunsch, dem Land zu dienen, gepaart mit seinem innerer Zwang, überall der Beste zu sein, waren stärker als die Warnsignale seines Körpers. Nachdem er wegen seiner Rückenprobleme zuerst beim Militär abgelehnt worden war, verhalf ihm sein Vater 1941 zu seiner Aufnahme beim United States Marine Corps. Er bekam zunächst eine Bürotätigkeit zugewiesen, besuchte aber nach dem Angriff auf Pearl Habour die Marineschule und wurde als Kommandant des Patrouillentorpedobootes PT 109 in den Pazifik geschickt. Nach einem Angriff auf PT 109 verletzte er seinen ohnehin schon schwachen Rücken, rettete aber einem Kameraden das Leben und wurde daraufhin als Held gefeiert. Kennedys mangelnde Rücksicht auf seine eigene Gesundheit ist sicherlich auch ein Grund dafür, dass eine Verbesserung des Gesamtzustandes nicht eintreten konnte.

1947 diagnostizierten Ärzte in London die Addisonsche Krankheit, eine Unterfunktion der Nebennierenrinde, die außerdem eine allgemeine Schwächung des Immunsystems zur Folge hat. Das vorerst nicht definierbare Leiden hatte nun endlich einen Namen. Die Entdeckung des Kortisons in den späten 30er Jahren kam Kennedy zugute und er bekam ein entsprechendes Depotpräparat unter die Haut gesetzt. Zum ersten Mal zeigte sich eine deutliche Verbesserung seines Zustandes, da er nun auch seine Medikamente regelmäßiger einnahm. Ärzte prognostizierten zum damaligen Zeitpunkt, dass er nicht mehr länger als ein Jahr zu leben hätte.

Die Rückenschmerzen wurden eine besonders große Last, als er sich 1952 zunehmend um den Wahlkampf zum Amt des Senators von Massachusetts kümmerte und sich auf Reise begab. Kennedy war in seiner Bewegung stark eingeschränkt und lange Autofahrten mussten für ihn fast unerträglich gewesen sein. Er hatte Probleme sich anzukleiden und bewegte sich fast ausschließlich mit Krücken von Ort zu Ort. Nachdem er sich 1954/55 einer schweren Operation an der Wirbelsäule unterzog, lag Kennedy zwischen 1955 und 1957 insgesamt neun Mal im Krankenhaus. Folglich bekam er den Spitznamen „der abwesende Senator“ verliehen. Schwäche zeigen wollte er besonders im Amt des Präsidenten jedoch nicht und so vermied es Kennedy stringent, mit Krücken von Pressephotographen abgelichtet zu werden.

Gerüchte seitens der Presse, die während des Präsidentschaftswahlkampfes 1960 über seine Gesundheit aufkamen, verstärkt durch seinen auffälligen bronzeartigen Teint, eine Folge der Addisonschen Krankheit, wurden von seinen Unterstützern heftig dementiert. So hieß es unter anderem: „Senator Kennedy hat keine Addisonsche Krankheit. Er nimmt keine Medikamente. Er nimmt kein Kortison.“

Ironischerweise nahm er während seiner Amtszeit täglich zwölf verschiedene Medikamente ein, unter anderem Antidepressiva, Kortison und Methadon. Vor öffentlichen Auftritten bekam er zahlreiche Procain-Injektionen, um die Schmerzen halbwegs erträglich werden zu lassen. Er litt zudem an Lebensmittelallergien sowie regelmäßig an schwerem Durchfall, Fieber und Schlaflosigkeit.

Sein treuester Begleiter wurde neben orthopädischen Schuhen der Schaukelstuhl. Alle Aufenthaltsorte des Präsidenten, sogar die Air Force One, verfügten über ein zusammenklappbares Modell.

Ob das amerikanische Volk John F. Kennedy 1960 zum Präsidenten gewählt hätte, wenn die gesamte Wahrheit über sein Leiden schon bekannt gewesen wäre, bleibt umstritten. Man kann und muss aber im Nachhinein sagen, dass sein Durchhaltevermögen und sein Wille, in Hinblick auf die Krankheit und ihre Auswirkungen, enorm waren.

CP